Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

220

Hesse,

§. 8.
Zunächst können die Grundsätze vom Regenwasser nicht
auf Wasser in Flüssen und Bächen (flumina publica) Anwen-
dung finden, denn sie gehen von der Voraussetzung aus, daß
das Wasser der freien Dispofition des Eigenthümers unterliegt
(in suo retinere, in suum derivare, torrentem avertere
potesty3)), weil und insofern es auf seinem Privatgrund
und Boden fließt, fie setzen voraus, daß die schadendrohende
Einwirkung (opus raanufactum) auf Privatgrundstücken
stattfindet, weshalb mehrfach betont wird, aquae pluv. arc.
actionem non nisi cum domino esse. Am flumen publi-
cum dagegen findet Eigenthum nicht Statt, auch der Grund
und Boden, den es bedeckt, ist öffentlich; von einer
privatrechtlichen Verpflichtung des niedriger gelegenen Grund-
stücks, aquam natura profluentem aufzunchmen, kann hier
folglich nicht die Rede sein. Wir finden diesen Satz nirgends
auf flumina publica angewendet, denn die römischen Juristen
gingen davon aus, daß das, was der Fluß einmal zu seinem
Bett eingenommen hat, mit dem Moment der Oceupatkon
aufhört, Eigenthum zu sein. Wir haben ferner oben schon
hervorgehoben, daß die actio a. pl. arc. nicht Platz greift,
wenn Jemand in publico, also im Flusse, am Flußufer oder
im Bachbette Etwas unternimmt, wodurch das Wasser einen für
die benachbarten Grundstücke schädlichen Lauf annimmt. Da die
römischen Juristen diesen Punkt so stark betonen, so ist eS un-
glaublich und unmöglich, daß sie bei dem Ausspruche: ser-
vitus est inferiorum praediorum, ut natura profluentem
aquam excipiant, an flumina publica hätte denken können.
Bei diesen ist auch ein avertere flumen in der Regel ver-

93) 1. 1 §. 11. 12. 1. 2 §. 9 v. 39, 3.

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