Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

210

Hesse,

Wasser ist kein Bestandtheil des Eigenthums, wohl aber kann
der Grundstücksbesitzer cs zu seinen Zwecken zurückhaltcn und
verbrauchen66). Wenn er dies nicht thut, kann nun zwar
Jeder, der Zugang zum Wasser hat (auf einem öffentlichen
Wege oder Grundstücke), das fließende Wasser gerade so,
wie die aqua profluens, benutzen, aber es stellt sich das
als ein zufälliger Vorthcil dar, nicht als ein Recht, und
die römischen Juristen gebrauchen dafür den Ausdruck aqua,
quae ad te nullo jure defluebat67). Der usus commu-
nis hingegen an den res communes omnium wird auf das
jus naturale gegründet, ist durch Rechtsmittel geschützt und
kann deshalb nicht der willkürlichen Entziehung durch Andere
Preis gegeben sein.
Aehnlich ist das Verhaltniß mit den Quellen »Ab-
flüssen, welche keinen öffentlichen Fluß oder Bach bilden.
Auf dem Grundstück des Quelleneigenthümers wird dieser
Abfluß, wie die Quelle selbst, als portio fundi angesehen,
er unterliegt der beliebigen Disposition des Eigenthümers und
kann von ihm zurückgehalten, in Behältnisse geleitet und ver-
braucht werden. In seinem weiteren Verlaufe durch die nie-
driger gelegnen Grundstücke erscheint er als ein zufälliger Vor-
theil, auf welchen die betreffenden Grundcigenthümer ein
Recht erst durch Servituterwerb oder Herkommen erlangen68).
Diese Bestimmung der Gesetze wäre unerklärlich, wenn das
fließende Wasser hier unter den cngern Begriff von aqua
profluens als res communis omnium fallen sollte, denn
dann müßte jure naturali auch das Recht begründet sein,
daß es den Anliegern nicht ganz entzogen werde. Kurz, mich
66) 1. 1 tz. 11, 12. §. 21. I. 2 §. 9. l. 21 v. 39. 3. 1. 26 o.
39, 2.
67) 1. 2 §. 13 v. 43. 8.
68) Vgl. unten §. 11 und 12.

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