Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

Bemerkt. zu d. Abh. I. über V. Lehre v. d. Versteigerungen. 177
genommen werden kann°). Bei den Auslobungen ist Leistung
und Gegenleistung genau bestimmt, nur daß hier der Accept
nicht durch Erklärung des Consenses, sondern durch Leistung
erfolgt. Hätten wir also immerhin den Satz, den wir in
dieser Ausdehnung nicht haben: daß Offerten mit verbindender
Wirkung in personam incertam gestellt werden könnten, so
würde damit doch für die Ansicht des Vers, der obigen Abh.
Nichts gewonnen sein. Die Ankündigung einer Auction ent-
halt ebensowenig eine Offerte, wie die Zusendung eines Preis-
courants; jene nicht, weil sie den Preis, diese, weil sie
das Quantum der Waare unbestimmt laßt — der sonstigen
Gründe zu geschweigen.
Die Bestimmungen des preußischen Rechts, welche .Kin-
dervater S. 17 u. fl. anführt und als singuläre zu charak-
terisiren sucht, enthalten also sowenig etwas Besonderes, daß
ich fragen möchte: welche Gesetzgebung könnte etwas Anderes
festsetzen? Mit Recht hat daher das Obertribunal in Stutt-
gart in dem bei Seuffert, Arch. f. Entscheidungen Bd. 8
Nr. 38 mitgetheilten Fall den Anspruch des Meistbietenden
auf Ertheilung des Zuschlags bei einem Zwangsverkauf ver-
worfen.
Um nun kurz meine Ansicht noch einmal zusammenzu-
fassen, fo geht dieselbe dahin:
1. Die Ankündigung einer Auction, selbst wenn sie mit dem
Zusatz geschieht, es solle die Sache dem Meistbietenden
zngeschlagen werden, begründet nach heutigem so wenig
wie nach römischem Recht eine Verpflichtung des Ver-
steigerers. Er kann sie abkündigen, unterbrechen, die
Sache zurückziehen, auch nachdem darauf geboten, ganz
wie es ihm gefällt. Die Auction enthält keine Offerte

6) Th öl, Handelsrecht tz. 57.
VII.

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