Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

Zur Lehre vom Erwerb und Verlust des Besitzes. 105
nur über 1. 12 6. 6e poss. 7, 32 dauert der alte Streit fort.
Mir scheint die Vangerow'sche Ansicht die richtige zu sein.
Meine Darstellung hat, wenn ich nicht irre, ein neues Argu-
ment zu ihrer Begründung geliefert, und das will ich mit
zwei Worten ausführen.
Ich habe nämlich gezeigt, daß alle solo animo possessio
eine bloß vorübergehende Abwesenheit voraussetzt. Nun
betrachte man den durch einen Stellvertreter ausgeübten Besitz.
Es ist kein Zweifel, daß, wenn der Stellvertreter (ohne
Zurücklassung eines Dieners) das Grundstück verläßt, der Be-
sitz eine possessio solo animo wird. Handelt es sich nun
darum, zu entscheiden, ob dieser Besitz fortdauert oder aufhört,
so hängt dies davon ab, ob die Abwesenheit als eine vorüber-
gehende oder als eine definitive zu betrachten sei. Und hiebei
kann man einen doppelten Standpunkt einnehmen. Mail
kann die Abwesenheit vom Standpunkte des Vertretenen oder
von dem des Repräsentanten aus beurtheilen; wer Ersteres
thut, muß die Abwesenheit für eine vorübergehende erklären,
denn der Vertretene will und kann sich nicht ewig vertreten
lassen, er will jedenfalls bei dem Tode, der Perfidie des
Stellvertreters u. s. w. zurückkehren; wer Letzteres thut, muß
die Abwesenheit für eine definitive erklären.
Dieser doppelte Standpunkt scheint mir Anlaß zu der
Controverse unter den klassischen Juristen gegeben zu haben.
Die Entscheidung, die Justini an getroffen hat, halte ich für
ganz angemessen; es ist ein Zug in der Entwicklung der rö-
mischen Bcsitzeslehre, die Erhaltung des Besitzes in Einzcl-
fällen zu begünstigen, und ihm liegt die richtige Erkenntniß
zu Grunde, daß es sich im Besitz nicht bloß um Interdikte
und die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung handelt.

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