Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

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Baron,

nur der negative Entscheidungsgrund, der positive wird in den
Worten infitiandi animum habere ausgrdrückt. Paulus
will eine bestimmte Art des Besitzverlustes angeben: das loco
movere, sodann eine bestimmte Art der Bcsitzesfortdauer: daS
infitiandi animum hadere; neben jeder dieser drei Arten sind
noch eine Menge andrer denkbar, wie der Besitz verloren geht
resp. erhalten bleibt; und wie 1. 47 uns belehrt, wird der
Besitz auch ohne loeo movere verlören, nämlich dann, wenn
der Repräsentant den animus sibi possidendi annimmt 18°).
Hieraus folgt: in dem animus infitiandi liegt noch kein
furtum, wohl aber in dem animus sibi possidendi; das Letz-
tere wird später aus I. 44 de acq. dom. und 1. 67 pr. de
kurt, hervorgehen; das Erstere sagt ausdrücklich Paulus in
1. 3 §. 18:
nee animo furtum admittatur,
wobei dem ganzen Zusammenhang der Stelle nach zu „animo“
zu ergänzen ist „infitiandi", und nicht (wie Savigny und
Witte meinen) „solo"; ferner sagt Celsus 1. 67 pr. de kurt.
47, 2;
infitiando depositum nemo facit furtum.
Worin liegt nun der Unterschied zwischen animus infi-
tandi und sibi possidendi182)? Läßt jener die Custodia
18V) Im Wesentlichen hat schon Chesius I. c. diese Erklärung;
er fügt noch hinzu, der s». infit. sei auf etwas Zukünftiges gerich-
tet (späteres Leugnen), der sn. poss. auf die Gegenwart; das scheint
mir nicht richtig.
18t) Savigny, Besitz S. 433 N. 1. Witte in Ztschr. f.
Civ. und Pr. N- F. 18. 320.
182) Vgl. Schirmer in Ztschr. f. Civ. und Pr. N. F. 11,472.
Natürlich fehlt bei ihm die Bezugnahme auf die Custodia; er meint,
der Leugnende wisse entweder nicht, daß er die Sache habe, oder er
sage eine Unwahrheit; die Unwissenheit dürfe dem Repräsentirten
nichts schaden; das Motiv der Unwahrheit könne freilich der an. slbi
poss. sein, allein rein innerliche Motive gehen das Recht nichts an.

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