Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

Zur Lehre vom Erwerb und Verlust des Besitzes. 131
zu sprechen. Sollen wir etwa eine Antinomie annchmen?
Damit wäre nichts gewonnen, denn eö früge sich noch immer,
ob Papinian oder Gaius und Paulus Recht haben.
Auch glaube ich, daß, wenn wir von dem Begriff der Cu-
stodia ausgehcn, der anscheinende Widerspruch völlig ver-
schwindet.
Ich gehe mit Savigny von der Annahme aus, daß
die Schlüssel den Zweck haben, dem Käufer den Zutritt zum
Speicher zu gewähren 146). Sofort ergeben sich zwei weitere
Möglichkeiten: der Käufer soll den Zutritt erhalten, um die
Maaren sofort abzuholen, oder um sie, wenn er Zeit, Ar-
beitsleute haben wird, kurz, wenn es ihm paßt, aus dem
Speicher zu entnehmen; im zweiten Falle gestattet also der
Verkäufer, daß die Maaren in seinem Speicher noch liegen
bleiben, im ersten Falle gestattet er dies nicht.
Den ersten Fall haben wir bereits in 1.51 Ii.t.(ob. S. 103 ff.)
kennen gelernt: der Verkäufer befiehlt dort dem Käufer, die Maa-
ren abholen zu lassen; zwar fügt der Jurist nicht hinzu, daß
er ihm die Schlüssel aushändigte; allein das mußte doch ge-
schehen, wenn der Weinl4r) sich in einem verschlossenen
Speicher befand; also darf man es wohl supponiren, ohne
deshalb annehmen zu müssen, daß der Jurist nun deshalb eine
146) Anders Lenz, dessen Ansicht ich bereits oben S. 51 re-
ferirt habe; ihm stehen offenbar die Schlußworte „etsi non aperuerit
horrea“ entgegen, die er in folgender höchst gezwungener Weise inter-
pretirt. Es handelt sich, meint er, um Fungibilien; bei diesen sei
nicht erforderlich, daß der Apprehendent sie ansehe, um ein Bewußt-
sein von ihnen zu erbalten; „durch eine solche Abschließung (im
Speicher) nach außen erhalten die Fungibilien jenen Charakter objec«
tiver Gewißheit, ohne welche unser Besitzwille nicht denkbar ist". Es
ist bereits früher §. 1 gezeigt worden, wie wenig die Besichtigung
der Sache zum Erwerb des Besitzes nöthig ist.
147) Dieses Beispiel braucht Labeo als zweites: guum univer-
sae amphorae vini simul essent.

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