Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

130

Baron,

Es fragt sich, ob auf Grund dieser Lcges zu behaupten
ist, daß nur dann der Besitz durch Schlüsselübergabe über-
tragen wird, wenn sie bei dem Speicher geschieht. Anschei-
nend ist I. 74 dafür, I. 9 §. 6 dagegen; aber auch 1.1 §.21
ist dagegen; Paulus will nämlich beweisen, daß man auch
ohne Ergreifen der Sache den Besitz erwerben könne; hierfür
führt er drei Beispiele an: im Anfänge der Stelle irgend welche
Sache, im Schlußsätze die Säulen und den Wein; nun hebt
er bei den ersten beiden Beispielen hervor, daß die Gegenwart
der Sache nöthig sei (cum ea in praesentia sit..., si in re
praesenti consenserint...), bei dem dritten Beispiele hin-
gegen fehlt die Erwähnung der Gegenwart, an ihre Stelle
tritt ein anderer Umstand: die Uebergabe der Schlüssel; daraus
folgt doch gerade, daß Paulus, wenn die Schlüsselübergabe
erfolgt, die Gegenwart der Sache für überflüssig halt. Zwar
meint Savigny 145), auch wenn die Sache gegenwärtig,
d. h. also der Speicher geöffnet gewesen, sei dennoch die
Schlüsselübergabe nicht überflüssig; eS gehöre nämlich zu jedem
Besitzerwerb der aniinns possidendi, und diesen könne ein
Käufer nicht haben, so lange die Schlüssel ihm nicht über-
geben sind; denn er könne ja künftig verhindert werden, die
Sache zu gebrauä)en. Jndeß diese Erklärung wird wobl kaum
Anklang finden; denn Paulus handelt eben nur vom corpus
und nicht vom animus poss.; auch ist die Behauptung nicht
begründet, daß der Käufer deshalb keinen aniinns possidendi
haben könne, weil er künftig am Gebrauch der Sache mög-
licherweise verhindert wird; er darf doch im Gegentheil an-
nehmen, daß der Verkäufer ihm die Schlüssel auf Erfordern
aushändigen werde.
Doch, wie schon bemerkt, für Savigny scheint 1. 74cit.

145) S. 250.

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