Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

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Barsn,

Tradition überkommenen Rechtssatz; denn zu seiner Zeit galt
bereits eine Modisication, die er also bezeichnet:
quum vero evaserit custodiam nostram et in natu-
ralem libertatem se receperit, nostrum esse desinit
et rursus occupantis fit.
Gaius denkt an den eben beschriebenen Zustand, wo
die Custodia aufgehört, die naturalis libertas aber noch nid)t
begonnen hat. Während er soeben (in den Worten: quic-
quid autem eorum ceperimus u. s. w.) das Eigenthum an
die Custodia geknüpft hat, fügt er jetzt berichtigend hinzu,
man habe dem Eigenthum gleichsam eine Galgenfrist gegönnt,
es dauere auch nach Aufhebung der Custodia bis zur Erlan-
gung der natürlichen Freiheit, also, wie 1. 5 pr. ct>d. erläu-
ternd hinzusügt, so lange das Thier uns im Auge bleibt,
vorausgesetzt, daß die Verfolgung nicht allzu schwer ist 14°).
Der Grund für diese Erweiterung der Grundlagen des
Eigenthums an wilden Thieren liegt auf der Hand; man
fügte sich zwar im Allgemeinen der Thatsache, daß eine recht-
liche Herrschaft ein Unding sei, wenn die physische unmöglich
geworden, aber man interpretirte sie, wo es anging, zu Gun-
sten des Eigenthums. Wir haben ja bereits oben bei den
Thieren mit consuetudo revertendi gleichfalls einen Rechtssatz
kennen gelernt, der der spätem Jurisprudenz angehört.
Ich wende mich zum Besitz. Bei den Thieren mit con-
suetudo revertendi wurde der Rechtssatz, der von Celsus
für daS Eigenthum geltend gemacht wurde, von Paulus
auf den Besitz übertragen; es ist bemerkenswerth, wie spät

140) Das evadere custodiam nostram und das naturalem Uber-
tatem recipere bedeutet also keineswegs dasselbe, und man darf dem
Gaius nicht den Vorwurf der Tautologie machen.

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