Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

Zur Lehre vom Erwerb und Verlust des Besitzes. 123
I. 3 §. 16 de poss. 41, 2: Quidam recte putant,
columbas quoque, quae ab aedificiis nostris volant,
item apes, quae alveis nostris evolant et secundum
consuetudinem redeunt, a nobis possideri.
Davon daß, wenn die Thiere ansfliegen, custodia vor-
handen sei, ist weder bei Ga ins noch bei Paulus die
Rede; nichtsdestoweniger meinten Alle, daß das Eigenthum
bei consuetudo revertendi bleibe, Einige, daß auch der Besitz
fortdauere. Dieses quidam 137) und das zweite Wort recte muß
man betonen; denn daraus ergiebt sich mit Nothwendigkeit
die Eristenz des Streites, welchen ich von den römischen Ju-
risten behaupte. Hätte ein solcher Streit nicht eristirt: wes-
halb wählte dann Paulus im §. 16 eine Redeweise, die
von der in §§. 14. 15 gebrauchten gewaltig absticht? Das
zweite Argument für die Controverse ergiebt die Lehre von
Nerva in 1. 3 §. 13 h. t., wonach nur der Selave trotz
mangelnder Custodia besessen werde, nicht hingegen die Thiere
mit consuetudo revertendi. Endlich aber berufe ich mich
auf 1. 47 h. t. als drittes Argument; Papinian wendet
hier nämlich das Ne rva'sche Prinzip auf den Fall der Treu-
losigkeit der Stellvertreter an, wendet sich dann zu der Aus-
nahme des Sclaven und schließt endlich mit diesen Worten
seine Argumentation:
Igitur earum quidem rerum, quae ratione vel
anima carent, confestim amittitur possessio, ho-
mines autem retinentur, si revertendi animum reti-
nerent.

137) Ganz anders das Wort plerique, welches sehr häufig ge-
braucht wird, wenn nicht alle Juristen sich über eine Frage geäußert
hatten, so daß sie aber, wenn sie sich geäußert hätten, die Meinung
ihrer Fachgenossen gebilligt hatten, s. Thibau t im Arch. f.civ. PrariS
Bd. 7 S. 79 ff.

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