Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

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Zur Lehre vom Erwerb und Verlust des Besitzes.
detinirten Grundstück oder auf einem fremden mit Erlaubniß
des Detentor aufgestellt habe (1. 55 de acq. dom.). Habe
ich freilich das Thier bloß verwundet, und zwar so, daß cS
möglicherweise mir nicht entwischt (ut capi possit),
so ist ihm die natürliche Freiheit nicht genommen, und der
Besitz von mir nicht erworben (1. 5 pr. de acq. dom.); hätte
ich es aber so verwundet, daß es bald zusammenbrechen muß
und mir also nicht entgehen kann (ut eapi dedeat), so
würde ich Besitz und Eigenthum erworben haben. Es kommt
dann nicht einmal darauf etwas an, ob ich mich auf meinem
Grundstück oder auf einem fremden befinde; denn selbst, wenn
Letzteres der Fall und obgleich ich keine Erlaubniß auf dem
Grundstück zu verweilen habe, erwerbe ich dennoch den Besitz,
weil meine persönliche Gegenwart eine subjective Custodia er-
zeugt.
Bis hierher ist Alles klar. Schwierigkeiten aber
mußten hinsichtlich derjenigen Thiere entstehen, die zwar in
ihrer natürlichen Freiheit sind, aber doch den animus (sie!)
revertendi131) haben. Die Schwierigkeit entsteht aber nicht
etwa von der Seite der natürlichen Freiheit her; denn diese
wird eben durch den animus und die consuetudo revertendi
paralysirt, vermöge deren das Thier von seiner natürlichen
Freiheit keinen Gebrauch macht. Die Schwierigkeit entsteht
vielmehr von der Seite der custodia her; denn jene
Thiere begeben sich auf fremde Grundstücke, wo ihnen
der Aufenthalt nicht zusteht, wie die corvi, qui ita qui-
dam mansuetos habeant, ut in silvasm) eant et re-

131) Also haben Thiere einen animus, wenn and) nur den ani-
mus revertendi; woran erkennt mau ihn aber? intelliguntur autem
(sagt Gaius in I. 3 tz. 5 de acq. dom. 41, 1) desiisse revertendi
animum habere tunc, quum revertendi consuetudinem deseruerint.
132) Auf den Plural silvas lege ich Gewicht; denn stände sil-

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