Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

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Baren,

kommt nichts an. Ja, in Papinian'S Ausführung findet
sich ein neues Moment, das meine Theorie in hohem Grade
bestätigt. Der Vergrabende hat nämlich den Ort des Ver-
grabens vergessen; hat dies auf den Besitz Einfluß? Wenn
daS eorpus deS Besitzes lediglich in der Wehrung gegen dritte
Personen besteht, gewiß nicht; denn die Lage der Sache bleibt
dieselbe, mag ihr Besitzer ein vergeßlicher Mensch sein oder
nicht; gewiß aber müßte das Vergessen von Einfluß sein,
wenn die Savigny'sche Theorie richtig wäre128).
Es ist jetzt ferner bewiesen, daß Savigny sich mit Un-
recht auf 1. 3 §. 3 und 1. 44 pr. eit. beruft, um darzuthun,
daß die Quellen selbst einen Unterschied in den Erfordernissen
deS Besitzerwerbs und der Besitzesfortsetzung machen. Ich bin
dieser Ansicht bereits früher in §. 2 S.56 unter Berufung auf
1. 3 §. 14 h. t. entgegengetreten. Der Zweifel, welcher dort we-

128) Zwar meint Savigny S. 397 f., „die besondere Anstalt,
die zu ihrer Aufbewahrung getroffen ist, sichert ihm das Finden für
die Zukunft"; allein es soll ja der Besitz nur dann fortdauern, wenn
„das Verhältniß unmittelbarer Herrschaft nach Willkür reprodu-
cirt werden kann" (Savigny S. 345), und das ist doch eben hier
nicht der Fall, wie schon Bruns, Jahrb. f. g. R. 4,40 bemerkt hat.
Auch Lenz S. 258 f. polemisirt gegen Savigny; seine eigne An-
sicht culminirt in folgenden Worten: „Hätten wir auch wirklich ver-
gessen, wo wir die Sache gelassen, so kann dieser rein factische
Umstand doch nicht als Endigungsgrund für ein Rechtsverhältniß
gelten; unser Besitzwille hat dadurch keineswegs die objective Sicher-
heit verloren". Man ersieht hieraus einerseits, daß Lenz die Stelle
nur dadurch zu erklären vermag, daß er den Besitz für ein Recht
erklärt, andererseits, daß die Lenz'sche vbjertive Sicherheit jedes
conereten Inhalts entbehrt. Was aber insbesondere die Behauptung
aubetrifft, daß factische Umstände kein RechtSverhältniß endigen können,
so ist sie sicher unhaltbar; denn wenn sich das Thier verirrt, liegt
hierin kein „factischer Umstand" ? und doch geht hier der Besitz unter
Umständen verloren. Und wenn ein wildeS Thier entflieht, liegt hie-
rin kein factischer Umstand?

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