Full text: Volume (Bd. 7 (1865))

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Zur Lehre vom Erwerb und Verlust des Besitzes.
Grundsatz Nerva's berufen müssen. Ja, wie denn kommt
P a p i n i an dazu, den Deponenten oder gar den Commodan-
tcn als „Aufbewahrungsanstalt" zu behandeln? Selbst wenn
man aber von ihrer Person absieht, und an ihre Häuser
denkt, so ist doch — nach Savigny — ihr HauS noch
nicht die Custodia des Deponenten rcsp. Commodanten, denn
nur mit dem Hause, welches wir im Gebrauch haben, ist
„die ganz eigne Custodia"103) verbunden.
Endlich ist noch ein dritter Grund anzuführen. Das
Wort eustoäm ist schon vor Nerva (es findet sich bereits
bei Sabinus) ein juristisch technischer Begriff gewesen;
nun will ich nimmermehr bestreiten, daß ein römischer Jurist
vermöge seiner Intuition juristische Begriffe anwandte, ohne
sie klar darlegen zu können. Allein daraus folgt doch nicht,
daß er nicht auch das Streben gehabt haben sollte, die In-
tuition in Verstandessätze umzusetzen. Wie zweideutig der
Begriff der Custodia an sich ist, das erkennen wir daraus,
daß jeder der heutigen Juristen sie anders faßt; sollte da nicht
ein Nerva, der bereits in der Jugend respondirte, die Schärfe
seines Geistes in einer treffenden Definition haben erproben
wollen?
Denn von Nerva rührt die Definition der Custodia her,
nicht von Paulus, wie dies Lenz^) behauptet unter Be-
rufung auf die angeblich directe Redeform der Definition. Zu
seiner Auffassung der Ler will ich mich jetzt wenden.
Lenz interpretirt so: „Die beiden ersten Verlustfälle be-
ziehen sich wirklich auf Objecte, die wir in subjektiver Custo-
dia zu haben Pflegen: des Hecrdenviehes sind wir nur dadurch
sicher, daß wir es unter Aussicht eines Hirten weiden lassen,

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103) Savigny S. 258.
104) S. 260 f.
VII.

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