Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

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Dr. M. Scherer,

dern er hat nur s e i n Interesse im Auge: Wenn das Haus ab-
brennt. will er in seinem Vermögen nicht geschädigt sein.
Der Versicherungsvertrag ist daher in der Regel den Hy-
pothekargläubigern absolut fremd. Dies kann jedoch auch an-
ders sein. Der Hypothekargläubiger hat sehr wohl ein vernünf-
tiges und denkbares Interesse, für den Fall das Haus abbrennt,
den Gegenwerth zu erhalten. Dies kann durch eine Versiche-
rung geschehen. Macht es nun ein Hypothekargläubiger zu
einer Vertragsbedingung der Hingabe oder des Stehenlassens
seines Geldes, daß der Schuldner das Pfandobject gegen Feuers-
gefahr versichert, und kommt nun der Schuldner dieser vertrags-
mäßigen Verpsiichtung nach, so sieht eigentlich nichts im Wege,
dem Hypothekargläubiger zwar nicht auf Grund seiner Hypo-
thek, sondern aus dem Gesichtspunkte der neZotiorum K68tio
die Versicherungssumme bis zum Betrage seiner Forderung zu-
zusprechen. Der Hypothekargläubiger hat offenbar in seinem
Interesse den Schuldner vertragsmäßig zur Versicherung bewo-
gen. Die französische Praxis und Theorie haben allerdings an-
ders entschieden. Das oben erwähnte Urtheil des Colmarer
Oberlandesgerichts ist wohl unter keinen Umständen zu billigen.
Lummum ju8, summa injuria wird auf dasselbe Anwendung
finden.
Die Analogie des Kaufpreises ist unzutreffend. Bei dem
Kaufe findet ein Personenwechsel statt, der Anspruch auf die
Versicherungssumme erwächst durch den Untergang des Pfand-
gegenstandes.
Der von Wind scheid, Pandekten Bd. I §. 248 Note 9
angeführte Grund, daß die Eigenthumsklage auch die Schadens-
forderungen, welche an der Sache kleben, ergreife, ist wohl
richtig und unbestreitbar. 1. 17 § 1 D. 6, 1. Allein im vorlie-
genden Falle handelt es sich nicht um eine Schadensforderung,
welche sich darauf stützt, daß eine Person den Werth der Sache

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