Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

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Dr. Gustav H artmann,

tung zu möglichster Ausnutzung der Conjuncturen. Er verein-
barte. mit dem Rechtsanwalt L. einen Scheinverkauf des Areals
zu dem ungewöhnlich hohen Preise von zwanzig Thalern für
die Quadratruthe. Der Erlös, welcher noch über jenen Be-
trag hinaus durch den Scheinkäufer aus der Reichskafse erzielt
werde, sollte nach geheimer Verständigung zu gleichen Theilen
unter den Parteien vertheilt werden. Damit aber dem Ver-
treter des Marinefiscus die Ueberzeugung verschafft werde, daß
L. wirklicher und voller verfügungsberechtigter Eigenthümer
gegen jenen hohen Preis geworden sei, wurde eine öffentliche
Urkunde über den Kauf errichtet und an L. übergeben. In dieser
Urkunde wurde zugleich über die Zahlung des angeblichen
Kaufpreises „m bündigster Form Rechtens Quittung ertbeilt",
nachdem, wie es hieß, „die Ablieferung bereits zur Zufrieden-
heit des Käufers stattgefunden hat" *).
Indeß der Fiscus nahm nachher ein anderes Terram für
feine Etablissements in Aussicht und der geplante Verkauf un-
terblieb. Hingegen benutzte L. seine Legitimation als Eigen-
thümer hinter dem Rücken des H., um sich durch Verpfändung
jenes Areals an die Kieler Bank für seine Privatrechnung
Vorschüsse bis zur Höhe von sechzehntausend Thalern zu sichern.
Nach dem bald daraus erfolgten Tode L.'s brach über seinen
Nachlaß Eoncurs aus. In dem Streit über die Eigenthums-
srage, der zunächst zwischen H. und dem Concurscurator aus-
gesochten wurde, erging eine rechtskräftige Entscheidung zu
1) Wenn L., zur Vervollständigung der Komödie, noch weiter eine
Besitztitelberichtigung durch das competente Amtsgericht vornehmen ließ,
auf Grund vorgängigen Erlasses eines Evictionsproclams: so büeb das im
concreten Fall ohne Einfluß für die schließliche Entscheidung, weil nach dem
einschlagenden Particularrecht ein wirkliches Bucheigenthum mit seinen wei-
teren Consequenzen hinsichtlich der dinglichen Belastung nicht galt. Die
durch L.'s weitere Manipulationen angeregten Fragepunkte hatten also nur
ein particularrechtliches Interesse und können hier übergangen bleiben.

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