Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

Wort und Wille im Rechtsverkehr.

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vonBülow-^) anerkannt worden. Ihm scheinen, in „na-
hem Zusammenhänge mit der ganzen o b j e e t i v rechtlichen Rich-
tung der Rechtsgeschäststheorie stehend und vielfach einen we-
sentlichen Fortschritt begründend", die neueren Bemühungen „dem
Willensäußerungsmoment im Unterschiede von dem innerlichen
Willenselement eine größere und selbstständigere Bedeutung zu
vindiciren".
Aber auch der objectiviftischen Ausfassung des Rechtsge-
schäftes gegenüber, wenn sie wirklich extrem durchgeführt wird,
bleibt ein ungelöster Rest, insofern ja der inneren Absicht der
Partei innerhalb der Grenzen der guten Treue eine erbebliche
Tragweite für die Bestimmung der Rechtsfolgen zuzugestehen
war. Es prägt sich darin klar der Gedanke aus, daß überhaupt
beim Rechtsgeschäft dem Willensmoment eine principielle
Bedeutung für den Charakter und die Ausgestaltung seiner
Rechtsfolgen zukommt in diametralstem Gegensatz zu dem Wesen
und den Folgen des Debets.
In der That, beide extreme Auffassungen über das Rechts-
geschäft enthalten vollkommen richtige Elemente, die mit einan-
der zu verbinden sind und dann in schönster Harmonie stehen zu
den von uns begründeten Resultaten.
Wenn die Geschäfte und Willensbeliebungen des Verkehrs,
welche frei aus dem Leben erwachsen ihre selbstgesetzten Zwecke
durch die natürlichen Mächte des Lebens regelmäßig von sich
aus erreichen, auch noch die Anerkennung und den äußeren Schutz
der Rechtsordnung finden, in welchem Sinne kann diese Aner-
kennung erfolgen? Ganz gewiß doch nur in dem Sinn, daß
innerhalb der durch das öffentliche Wohl bemessenen Grenzen
jene Parteizwecke nur noch mit um so größerer Sicherheit erreicht
werden sollen, als es ohne dies der Fall sein würde. In dieser

54) Arch. f. civil. Praxis LXIY (1880» S. 87 fg.

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