Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

Wort und Wille im Rechtsverkehr.

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aus entsprechen, daß das begangene Versehen einfache Berich-
tigung findet. Oder aber der Gegenstand der Bestellung und
Anfertigung ist von minderer Haltbarkeit und von seltenerer
Nachfrage. Dann bringt es die gute Treue ebenso sicher mit
sich, daß keinenfalls ohne Weiteres Richtigstellung des Ver-
greisens im Ausdruck und Entlastung des Bestellers zulässig ist.
Streit mag hier dann allenfalls nur noch sein über die
juristische Rechtfertigung und Construction der Behaftung des
Bestellers, im Zusammenhang hiemit auch darüber, ob der
Verkäufer gradezu positive Erfüllung, im gesetzten Fall also
Zahlung der vollen gesetzlichen Preistaxe, beanspruchen kann,
oder nur das sogenannte negative Vertragsinteresse, oder gar
nur die Erstattung der Aufopferungen, welche von ihm zum
Behuf der Erfüllung gemacht worden sind.
Die nämliche Hauptfrage: „Ist wirklich die innere Absicht
des einzelnen Handelnden das schlechthin Ausschlaggebende für
die juristische Tragweite einer Willenserklärung?", dies näm-
liche Grundproblem trat uns vor Kurzem wieder von der Seite
eines, sonst ganz anders gearteten, praktischen Falles entgegen,
aus Anlaß eines zu ertheilenden Rechtsgutachtens. Auch dieser
Fall soll hier, soweit er für unsre gegenwärtige Untersuchung
Interesse hat, seinen wesentlichen Momenten nach kurz voran-
gestellt werden. Mag doch das Feststehen auf dem Boden des
praktischen Lebens, das Ausgehen von seinen Bedürfnissen und
Anschauungen, wie einst den classischen Juristen Roms, so
auch uns als sicherstes Vorbeugungsmittel dienen gegen ein-
seitige aprioriftische Speculation. — Der Fall aber war, in den
für uns relevanten Punkten, der folgende. Als der Kaiserliche
Marinefiscus für die von ihm geplanten Anlagen in der Nähe
von Kiel größere Landstrecken an sich zu bringen hatte, traf
H. als der Eigenthümer eines Areals, welches für die Zwecke
der Marine besonders geeignet erschien, im Voraus Veranstal-
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