Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

Wort und Wille im Rechtsverkehr.

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male Gründe gehindert und ist auch in manchen Fällen effectiv
dazu geschritten, jene durch das Princip der bona Mes ge-
botene Reaction gegen das Unrecht so weit zu treiben, daß dem
erklärten wirklichen Willen aus Rücksicht auf seine Motivirung
und Beeinflussung durch delictsmüßige Grundlage direct und
gradezu alle juristische Wirksamkeit abgesprochen wird.
VIII.
Könnte nach Allem noch ein Zweifel daran sein, daß eine
Umkehrung des älteren Princips in sein diametrales Gegentbeil
unerweislich ist, daß vielmehr auch noch in der classischen Juris-
prudenz dem Aeußeren der Erklärung ein bestimmtes, durch die
Richtschnur der guten Treue begrenztes, Maß von Selbständig-
keit und rechtsverbindlicher Kraft dem Inneren gegenüber beige-
legt wird; so würde vollends die Richtung unserer modernen
Rechtsbildung für jene Auffassung den Ausschlag geben.
Gleich IHerings Jahrbücher selbst bieten mehrfache Be-
lege dafür, wie sich die Praxis im Gefühl zwingender Nothwen-
digkeit über die damals herrschende scholastische Doctrin hinweg-
gesetzt und dem wahren jus quod est richtigen Ausdruck gege-
ben hat. Dahin gehört zunächst der vielbesprochene Cölner Rechts-
sall (Iahrb. IV. S. 106 —112), wo in das Telegramm statt
des „Kausen Sie" durch Versehen des Telegraphisten gekommen
war „Verkaufen Sie" und wo durch die Ausführung dieses
Kaufs ein beträchtlicher Schaden entstanden war. Es war nur
ein, dem damaligen Stande der Doctrin gegenüber ganz un-
schuldiger, Nothbehelf, wenn das Cölner Gericht bei dem verur-
teilenden Erkenntniß abstellte auf die in der Benutzung „dieses
unsicheren Mittels zu seiner Correspondenz" liegende Culpa des
Beklagten. Das Cölner Gericht bewies hier sicher mehr gesun-
den Takt, als der Gerichtshof von Amiens im folgenden

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