Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

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Dr. Gust av Hartmann,

zunächst gar nicht anders zu deuten, als daß jeder Dritte diese
Person ohne Weiteres für berechtigt zum Verkauf ansehen dürfe.
Machte also ein bestimmter Einzelner von dieser allgemeinen
Ermächtigung wirklich, durch Contrahiren mit dem institor,
Gebrauch, so heißt es: „gut praeposuit tenebitur ipsa prae-
positione" (fr. 11, § 2 d. inst. a. 14, 3).
Aber wie, wenn der Principal diesen normalen und ordent-
lichen , ohne Weiteres anzunehmenden Sinn der Anstellung im
Verkaussladen ausnahmsweis nicht beabsichtigte, sei es über-
haupt nicht, sei es doch nicht bezüglich eines gewissen Kreises
von Gegenständen oder Geschäften d Dann ist es nach dem
Princip und nach der Regel der guten Treue seine Pflicht und
Aufgabe, jenen anormalen abweichenden Willen öffentlich an
richtiger Stelle anzuzeigen d. h., wie Ulpian sagt (kr. 11, § 3
lg. 14, 3), „Claris litteris, unde de plano recte legi pos-
sit: ante tabernam scilicet vel ante eum locum in quo
negotiatio exercetur, non in loco remoto, sed in evidenti."
Die Ankündigung solcher conträren Absicht muß auch mit orts-
üblichen Buchstaben und in ortsüblicher Sprache geschehen „ne
quis causari possit ignorantiam litterarum." War zwar der
Anschlag richtig erfolgt, ist er aber zur Zeit wieder verwischt,
sei es z. B. durch Einflüsse der Witterung, sei es durch mensch-
liche That: so schlägt auf's Neue die normale und ordentliche
äußere Bedeutung der Anstellung durch und der abweichende
innere Sinn des Anstellenden gilt nach guter Treue für das
Recht als nicht vorhanden.
Nur wenn Jemand den wirklich vorhandenen correcten An-
schlag nicht beachtet zu haben behaupten sollte: so kehrt flch nun
gegen diesen Dritten das „non audietur", weil nun ihn der
Borwurf trifft, das von der guten Treue gebotene Maß von
Achtsamkeit vernachlässigt zu haben. Das „non audietur" ist
natürlich kein bloß processualffcher Rechtssatz, sondern bedeutet

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