Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

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Dr. Gustav Hartmann,

dem, was er sich dabei hat denken müssen" (F. Mommsen
a. a. O. S. 96).
Ist es nun aber richtig, daß eine solche Auslegung austritt
mit dem Gepräge einer Abweichung vom Prineip, dem Charakter
einer bloßen Ausnahme, die nur propter utilitatem aus Berkehrs-
interessen angenommen sei? Man hat auch andere, für uns sehr
interessante und daher gleich näher zu betrachtende Sätze, nämlich
die Sätze über die Grenzen der Vollmacht des institor als bloß
exceptionell und principwidrig lediglich schon dadurch darzustellen
und systematisch abzufertigen gesucht, daß die Römischen Juristen
sie ausdrücklich aus die „utilitas" gründen37). Wahrlich es
müßte schlimm um das Recht stehen, wenn ein derartiges Ver-
hältniß zwischen der Regel des Rechts und der utilitas, wie es
bei jener Darstellung vorausgesetzt ist, wirklich bestände, wenn
bloße Ausnahme alle diejenigen Sätze als solche sein sollten,
welche durch das praktische Bedürfniß zwingend motivirt und
der Verkehrssicherheit nothwendig geschuldet sind!
Gewiß, das Recht ist keine Erfindung um des bloßen Nu-
tzens willen; das Recht ist kein Ausdruck und keine Verkörperung
des reinen und nackten Utilitätsprincips. In Recht und Gerech-
tigkeit hat die Menschheit mit langem Kämpfen und Ringen die
höchsten und heiligsten Güter zur Entfaltung gebracht, die ihren
selbständigen Werth in sich selbst tragen. Aber wenn es über-
haupt eine prästabilirte Harmonie giebt, so ist es die des im
höchsten Sinne Ethischen und des im höchsten Sinne Nützlichen.
Sind nun auch bei der Entwickelung speziell des Römischen Rechts
in die noch feftgehaltenen Principien des älteren )us strietum
bisweilen Ausnahmen hineingebrochen aus Grund des neueren
verfeinerten Verkehrsbedürfnisses-, so verhält sich das doch an-
ders bei der Ausbildung des elassischen sus aequum über die
37) So außer F. Mommsen a. a. O. S. 95, S. 113—124, insb.
S. 118, z. B. auch Pernice in Goldschmidt's Zeitschr. Bd. 25 S. 127.
Richtig dagegen auch Leonhard a. a. O. S. 301 fg.

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