Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

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Dr. Gust av Hartm ann,

greifend im Wort den sämmtlichen Augenzeugen evident und
auch vom Verkäufer selbst anerkannt.
Wie aber, was die rechtliche Beurtheilung des liquiden
Thalbestandes anlangt ? Am leichtesten fertig, und, wenn in
dieser Leichtigkeit eine Bürgschaft der Wahrheit liegen könnte,
freilich am gewichtigsten begründet wäre hier die bisher herr-
schende Ansicht. Eine Willenserklärung ist ohne alle rechtliche
Folgen, wenn das in derselben als gewollt Bezeichnete von
dem Erklärenden nicht wirklich gewollt ist. Die Erklärung
ohne Wille hat ebenso wenig rechtliche Wirkung, wie der Wille
ohne Erklärung. Wird in dieser Weise das Princip des sub-
jectwen Willens oder der inneren Absicht, anstatt in vernünf-
tigen Grenzen berücksichtigt zu werden, zur Alleinherrschaft er-
hoben: so haben wir freilich eine uniforme und, unter dem An-
schein der größten Innerlichkeit, doch in Wahrheit äußerliche,
streng formalistische Regel. Wir lassen die Vorsichtigen und
Besonnenen im Handel und Wandel den Schaden tragen, da-
mit nur ja die Unvorsichtigen und Unbesonnenen, welche ihn
veranlaßten, davon frei blerben.
Wie hingegen, wenn consequent erwogen wird, daß emere
und vendere, Handel und Wandel unter dem Princch der
bona fides stehen? Wie wenn Ernst daraus gemacht wird,
daß die ganze Rechtsinstitution des Kaufs in ihrer praktischen
Anwendung und Durchführung vom Grundsatz der guten Treue
durchleuchtet sein soll? Dann kann es gar keinem Zweifel
unterliegen, daß die aufgeworfene concrete Rechtsfrage sich nicht
nach einer einzigen Schablone beantworten läßt. Vielmehr wird
nothwendig zu unterscheiden sein. Entweder es handelt sich
um ein Medicament, welches seiner Mischung nach längere
Zeit ungeschwächte Wirksamkeit bewahrt und im ordentlichen
Lause der Dinge häufiger gefordert wird. Dann wird es der
guten Treue, der Weise redlicher und gewissenhafter Leute durch-

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