Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

Wort und Wille im Rechtsverkehr.

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than und in immer weiterer Anerkennung begriffen33), daß
der Irrthum über Eigenschaften der Sache, mögen dieselben
noch so „wesentlich" sein, immer nur Irrthum im Motiv ist,
daß er in Wahrheit den Consens nicht ausschließt und keinen-
salls in das Anwendungsgebiet des Satzes „errantis nulla
voluntas est" hineingehört. Eben weil die Parteien nun
einmal dies unechte Gefäß erkennbar für golden hielten, war
es ihr wirklicher und „eigentlicher" erklärter Wille, grade diese
vorliegende concrete Sache zum Kausgegenstand zu machen.
Aber braucht deßhalb die praktische Entscheidung von Ulpian
und Genossen unrichtig zu sein, wonach z. B. wenn „aes pro
auro venit", „nulla est venditio"? Warum soll denn nicht
auch ein Irrthum im Motiv wider den ganzen Rechtsbestand des
Geschäftes ausschlaggebend sein, wenn der betreffende Umstand
sich nach den vorausgehenden Verhandlungen, nach der Höbe
des festgesetzten Preises, nach den begleitenden Umständen des
Contrahirens selbst, boni viri arbitrio als stillschweigende
e o u st i c i o sine qua non des ganzen Handels erkennbar ergiebt ?
Und könnte nicht an der Annahme, daß es sich hier nur um
eine „aus dem bedenklichen Pfade der Metaphysik gefundene"
vereinzelte Prwatmeinung und Gedankenverirrung Ul pians
handle, schon die einfache Erwägung irre machen, daß dieser
Gedanke Jahrhunderte, ja bald Jahrtausende lang die Kritik
der Praxis wie selbständiger Legislationen (z. B. Code civ. 1110)
hat vertragen könnend
Jedenfalls aber ist diese Lehre vom error in substantia
nur ganz unrichtiger Weise in unser Problem von Divergenz
der äußeren Erklärung und der wirklichen im Moment der Er-
klärung vorhandenen inneren Absicht hineingezogen worden.
Die Lehre war hier nur so weit zu berühren, um sie selbst und
33) Vgl. die bei Zitelmann Citirten S. 551 Anm. 530, besonders
Brinz, Pand. (erste Aust.) §. 317 S. 1404 fg. und Zitelmann selbst.
XX. N. F. VIII. 4

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