Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

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W. Francke,

Selbsthülferecht des Wohnungs-Vermiethers sei ein bloßer Zu-
behör von dessen gesetzlichem Pfandrechte, lediglich zur Sicher-
stellung eben dieses Rechtes verordnet und daher mit dem
Wegfall dieses Rechtes weggefallen. Das Amtsgericht Göt-
tingen hat 1879, als ein Göttinger Bürger einem auszie-
henden Studenten wegen unberichtigter Miethe und Hausrech-
nung einen Anzug verschlossen und vorenthalten hatte, nicht
nur der Ansicht des Appellationsgerichts sich angeschlossen, son-
dern auch auf Grund des Ddicturn 6. Marci den Bürger we-
gen unerlaubter Eigenmacht seiner Ansprüche gegen den Stu-
denten für verlustig erklärt. Vom Obergericht Göttin gen
ist damals dieses Erkenntniß aufgehoben und das Selbsthülfe-
recht des Vermiethers für unabhängig erkannt von einem ge-
setzlichen Pfandrecht desselben und zwar auf Grund des Di-
gesten-Titels De Migrando 43, 32, auf welchen gerade das
Celler Urtheil und zwar ganz allein sich beruft. Ueberhaupt
scheint dieses Celler Urtheil weniger als andere in ähnlichen
Fällen das Hannoversche Rechtsleben beeinflußt zu haben; wie
dem Verfasser dieser Zeilen dünkt, waren es aber im Allgemei-
nen mehr praktische Rücksichten, als theoretische Erwägungen,
welche solchem Einfluß entgegen gewirkt haben.
§ 2.
Das Selbsthülferecht des Wohnungs-Vermiethers hat sei-
nen Ursprung im prätorischen Edikt ; hier hieß es laut l. 1 pr.
Dig. de migrando 43, 32:
„Si is homo, quo de agitur, non est ex his rebus, de
quibus inter te et actorem convenit, ut quae in eam
habitationem, qua de agitur, introducta, importata,
ibi nata factave essent, ea pignori tibi pro mercede
ejus habitationis essent, sive ex his rebus est et ea
merces tibi soluta est eove nomine satisfactum est

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