Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

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Dr. tori Schmidt,

gen Zusammentreffens mit einer andern causa, lucrativa un-
tergeht; nur vermochte er diesen Rechtssatz noch nicht zu er-
klären , indem er ihn für eine „positive Bestimmung des rö-
mischen Rechts" ausgab x). Er gelangte dann zwar zehn Jahre
später zu einer ganz anderen Meinung, indem er erklärte:
„Gewöhnlich betrachtet man diese Aufhebung des Forderungs-
rechts durch concursus duarum causarum lucrativarum als
auf positiver Bestimmung beruhend. Es ist das Verdienst
M omm sen's, den inneren Grund dieses Satzes und den Zu-
sammenhang, in welchem derselbe mit der Lehre von dem Ein-
fluß der Unmöglichkeit der Leistung auf den Bestand der Obli-
gation steht, nachgewiesen zu haben"1 2). Auch hielt er diese
Sätze in den folgenden Auflagen seines Lehrbuchs ausrecht3 4).
Allein in der fünften Auslage, vom Jahr 1879, hat er mit
Recht die Theorie Mommsen's gänzlich fallen lassen^).
1) Heidelb. krit. Ztschr. von Brinckmann, Dernburg u. A., Bd. 2
S. 130 fg. Vgl. dazu die Antwort Mommsen's Bd. 3 S. 413—415.
2) Windscheid, Pand. Bd. 2, Abth. i § 360, l. Ausl. (1865) S. 321.
Hier ist nicht erwähnt, daß Windscheid selbst im Jahr 1855 die Theorie
Mommsen's bekämpft hatte.
3) Vgl. z. B. Windscheid, Pand. a. a. O. 3. Ausl. (1870) S. 335.
4) Windscheid, Pand. 5. Aufl. (1879) § 343 a, Bd. 2 S. 307: „Frü-
her betrachtete man diese Aufhebung des Forderungsrechts durch concursus
duarum causarum lucrativarum gewöhnlich als ans positiver Bestimmung
beruhend; in neuerer Zeit hat man sich bemüht, sie tiefer zu erfassen und
auf ihre inneren Gründe zurückzuführen. So hat Mommsen die Aushe-
bung des Forderungsrechts aus der ohne Schuld des Schuldners einge-
tretenen Unmöglichkeit der Leistung herzuleiten gesucht, und dieser Auflas-
sung habe auch ich in den früheren Auflagen dieses Lehrbuchs mich ange-
schlossen. Ich muß jetzt zugeben, baß mit dieser Auflassung der Sinn der
Quellen nicht getroffen wird; die Quellen sehen den Grund der Aufhe-
bung des Forderungsrechts darin, daß der Gläubiger hat, was er nach
dem Forderungsrecht haben soll, daß ihm nihil abest. Aber warum ist
das Forderungsrecht untergegangen, wenn der Gläubiger hat, was er nach
dem Forderungsrecht haben soll, obgleich er es nicht auf sein Forderungs-
recht erhalten hat? Man wird nach meiner Meinung sagen müssen: weil

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