Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

Erkl. d. Rechtsregel ü. d. Zusammentreffen zweier causae lucrativae. 445
gefunden zu haben. Er argumentirt folgendermaßen. Ist aus
der einen lucrativen Obligation anstatt der geschuldeten iden-
tischen Species deren Geldwerth geleistet, so besteht die andere
lucrative Obligation eben deshalb noch fort, weil der wahre
ursprüngliche Zweck noch unerreicht ist. Ist umgekehrt zuerst
die Species selbst geleistet, so hat zugleich die andere Obliga-
tion ihren Zweck erreicht, womit sie untergeht1). In dieser
Ausführung dürfte, ebenso wie in derjenigen Huschke's, eine
petitio principii liegen2). Denn es fehlt eine Erklärung für

1) Hartmann S. 9V, 91, vgl. S. 33, 62— 64. Es ist nicht leicht,
den Gedankengang Hartmann's (auf S. 20—70 seiner Abhandlung) rich-
tig zu verstehen, weil die einzelnen Sätze seiner Beweisführung durch Er-
örterung allgemeiner Fragen unterbrochen werden. Deshalb ist es nöthig,
die Sätze, die zur Beweisführung unmittelbar gehören, aus der übrigen
Abhandlung herauszusuchen. Die Hauptsätze mögen etwa folgende sein.
„Der Grund unseres Satzes kann, nachdem alle andern Erklärungsver-
suche sich als hinfällig erwiesen haben, nur noch gesucht werden im inne-
ren, substantiellen Wesen der Obligation selbst" (S. 20, 21). Worin ist
nun dieses Wesen zu erblicken? „Der wesentliche Zweck der Obligation,
in dessen Erreichung sie begriffsmäßig ihr eigenes Ende anstrebt, ist die
Stillung eines bestimmt begrenzten, durch den Entstehungsgrund indivi-
dualisirten, privaten Interesses einer Person. Ihr wesentliches, begriffs-
mäßiges Mittel ist die, für jenen Zweck durch besondern Rechtsgrund
erzeugte Gebundenheit einer speziellen Willens- oder Vermögenssphäre als
solcher, so daß irgend welche zwingende Macht gegenüber der letzteren zur
Realisirung jenes Zweckes anerkannt ist" (S. 37). „Im Einklang mit
den bisherigen Ausführungen würde es stehen, wenn der Untergang der
Obligationen im Fall des concursus causarum lucrativarum zurückgeführt
wird auf die Befriedigung des identischen Bermögensinteresies, zu dessen
Sicherung die Obligation diente, und auf den dadurch bewirkten Wegfall
ihres Zweckes" (S. 62). — Eine ähnliche Beweisführung findet sich bei
Sell S. 61—67.
2) Dies wird selbst von zwei Rechtslehrern anerkannt, die das Werk
Hartmann's sonst sehr günstig beurtheilen. Vgl. Steinlechner in Grün-
hut's Ztschr. für das Privat- u. öffentliche Recht, Bd. 3, Wien 1876,
S. 723: . . . „Das ist eben die Frage, ob denn wirtlich beim c. c. l.
der Obligationszweck immer erreicht wird" . . .; Rümelin in den Göttin-

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