Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

Erkl. d. Rechtsregel ü. d. Zusammentreffen zweier causae lucrativae. 443
der Gewinn des individuellen Gebrauchswerths noch übrig blei-
ben würde — erlangt habe, so kann ich die andere nicht mehr
anstellen" *). Diese Ausführung enthält eine petitio principii.
Warum soll es unmöglich sein, „daß dieselbe Person den Ge-
winn derselben Sache noch einmal mache"? Auf diese Frage
giebt Huschte keine Antwort; und in der That ist eine solche
Unmöglichkeit nicht anzuerkennen.
Der Versuch, unsere Rechtsregel aus der Billigkeit zu
erklären ^), ist schon deshalb vergeblich, weil nach Inhalt der
Quellenstellen ein Einfluß des Praetor aus Ausbildung der
Rechtsregel nicht zu entdecken ist. Ueberdies ist es nach den
Grundsätzen der Billigkeit kaum erklärlich, daß ein Erbe, der
eine bestimmte Sache anschaffen und dem Legatar geben soll,
von dieser Verpflichtung befreit wird, sobald der Legatar die
Sache von einer dritten Person aus einem luerativen Rechts-
grund erhält, daß er dagegen verpflichtet bleibt, wenn der Er-
werb aus einem onerosen Rechtsgrund geschieht. Man sollte
denken, der Rechtsgrund eines solchen Erwerbes gehe jenen
Erben Nichts an. Wenn ferner in zwei Testamenten ein Dam-
nationslegat bezüglich derselben Sache für die nämliche Person
enthalten ist, so läßt es sich aus bloßer Billigkeit nicht erklä-
ren, daß es von der Willkür des zuerst in Anspruch genom-
menen Erben abhängt, ob er durch Anschaffung und Hinge-
ben der Sache dem Gläubiger jeden weiteren Anspruch, aus
dem andern Testament, abschneiden, oder ob er ihm den Werth
der Sache bezahlen und dadurch den Anspruch, aus dem an-

1) A. a. O. Seite 188.
2; Vgl. z. B. Klafft § 12, wo die Regel erklärt wird . . . „tertio ex
doctrina Morum, qua jubemur affectibus dominari, desiderium habendi
frenare, neque bona fides patitur, eandem rem bis exigere, L. 57 D. de
R. J.; quarto ex doctrina civilium, ejusque praecepto de Aequilibrio in-
ter ejusdem conditionis homines observando.“

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