Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

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Dr. Karl Schmidt,

nommenen Grundsätze. Darüber finden fich zahlreiche Aus-
sprüche der klassischen Juristen. Wer eine Sache gekauft hat,
ohne zu wissen, daß der Verkäufer bereits aus einem Dam-
nationslegat verpflichtet war, ihm die nämliche Sache zu geben,
kann zur Erlangung der Sache, nach seiner Wahl, entweder
die aetio ex testamento oder die aetio ex emto anftellen*).
Erlangt er das Eigenthum der Sache aus dem Testament, so
bleibt ihm noch die aetio emti auf Rückzahlung des Kaufprei-
ses; ist der Kaufpreis nicht bezahlt, so sind die beiderseitigen
Ansprüche aus dem Kaufvertrag erledigt. Hatte -dagegen der
Käufer die aetio emti bereits angeftellt, bevor ihm das Ver-
mächtniß bekannt war, so konnte er wegen Consumtion der
aetio emti seine weiteren Ansprüche nur mit der aetio ex te-
stamento verfolgen; alsdann konnte der Beklagte die Eondem-
nation (zur Zahlung einer dem Interesse des Klägers entspre-
chenden Geldsumme) nur dann abwenden, wenn er dem Klä-
ger das Eigenthum der Sache verschaffte und den Kaufpreis er-
stattete 1 2), vorausgesetzt, daß der Kaufpreis bezahlt und das
Eigenthum der Sache auf den Käufer noch nicht übergegangen
war. Wer eine Sache vom Nichteigenthümer gekauft und
den Kaufpreis bezahlt, dann aber durch lucrativen Titel (z. B.
Vermächtniß oder Erbschaft) das Eigenthum der Sache erwor-
ben hat, kann gegen den Verkäufer die aetio emti anftellen, um

1) L. 19 D. de O. et A.. Jul.; L. 84 §*5 D. de leg. I, Jul.; L.
29 D. de A. E. V., Jul. Vgl. Schmidt S. 13, 14; Arndts S. 310,
311. — Durch die Annahme, daß dem Gläubiger die Wahl zwischen bei-
den Klagen freistand, dürsten sich die Bedenken erledigen, die bei Aus-
legung von L. 29 D. de A. E. V. von Arndts S. 330, 331 erhoben
werden.
2) E. 84 § 5 D. de leg. I, Jul. Vgl. Retes lib. 7 cap. 6 num. 14,
15; Schmidt S. 11—13; Arndts S. 327—329.

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