Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

Erkl. d. Rechtsregel ü. d. Zusammentreffen zweier causae lucrativae. 427
ten Willen, worauf das zweite Dermächtniß beruht, mit ein-
maliger Erlangung des Werthes der Sache zufrieden sein
muß x). Erhält er dagegen aus dem einen Vermächtniß die
Sache selbst, so erlischt damit zugleich die Forderung aus
dem andern Dermächtniß 2), sofern nicht erhellt, daß nach dem
Willen des Erblassers noch der Werth der Sache zu zahlen ist 3).

1) L. 84 § 2 D. de leg. 1, Jul. Vgl. Schmidt S. 40, 41 ; Arndts
S. 296 , 297. Die Meinung von Hartmann S. 72 , 73, daß im Fall
der hi. 84 ß 2 D. cit. ein Zusammentreffen zweier causae lucrativae nicht
vorliege, weil das zweite Vermächtniß in der Hauptsache nur solvendi
oder compensandi animo errichtet sei, dürfte sich nicht halten lassen. Denn
das Legat von Titius war für Maevius vortheilhafter als das Legat, wel-
ches ihm Sempronius ausgesetzt hatte; ebendeshalb war das zweite Legat
gültig (vgl. oben S. 417 Anm. 2), ohne daß dadurch das erste Legat auf-
gehoben wurde; Maevius hatte also zwei Forderungen. Insofern lag der
Fall hier anders, als bei der oben (S. 417) erwähnten h. 108 § 4 D.
de leg. I, worin die Gültigkeit des zweiten Vermächtnisses verneint
wurde.
2) tz 6 J. de leg. — In der L. 53 § 2 ü. de leg. I (Ulp. lib. 25
ad Sab.) wird die durch tz 6 J. de leg. entschiedene Frage nicht erörtert,
sondern nur ausgesprochen, daß die beiden Vermächtnisse gültig nebenein-
ander bestehen; es ist daher in den beiden Stellen kein Widerspruch zu
finden. Vgl. Arndts S. 269, 270, 289, 290. — Mußte der Legatar bei
Empfang der Sache dem Erben auf Grund der hex Faicidia Etwas Her-
auszahlen, so konnte er dafür Ersatz aus dem andern Testament verlangen.
Vgl. L. 108 § 5 D. de leg. I; Arndts S. 267.
3) h. 21 § 1 D. de leg. III, Paul. Vgl. Cuiacius zu L. 82 pr. D.
de leg. II (Ed. Neap. Vd. 7 S. 1060, 1061); Schmidt iJ. 43; Arndts
S. 258. — Die Meinung Hartmann's (S. 20), daß im Fall von h. 21
§ l D. cit. „ein eventueller zweiter Vermächtnißwille" vorliege, erscheint
als hinfällig, da der Wille des Testators ein Ganzes bildet, wenn darin
auch mehrere Bestimmungen enthalten sind. — Tusch (§ 5) erzählt, es
sei einmal in der Schweiz durch zwei Testamente verschiedener Erblasser
ein und dasselbe Haus dem nämlichen Legatar vermacht worden, und da-
Gericht habe enffchieden, daß der Legatar, der das Haus aus dem einen
Testament erworben hatte, noch aus dem andern Testament den Werth
des Hauses fordern könne. Danach würde das Gericht den § 6 J. de le-
gatis verletzt haben, sofern das römische Recht zur Anwendung kam; eS

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