Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

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Dr. KarlSchmidt,

daß ein Erblasser durch Testament einen einzelnen Erben und durch
Codieill sämmtliche Erben verpflichtet, dem Bedachten eine be-
stimmte Sache zu geben; dann wird angenommen, daß der Erb-
lasser nicht zwei Vermächtnisse hinterlassen, sondern nur zweimal
von derselben Zuwendung geredet haN). Eine einzige Forderung
ist auch dann begründet, wenn ein Vermächtniß dem Haupt-
erben und zugleich dem Vulgarsubftituten auferlegt ist, und die
Erbschaft von Beiden in kraudcrn legatariorum ausgeschlagen
wird, so daß ste dem Legatar nach dem Edikt „8i quis omissa
causa“ solidarisch verantwortlich sind * 1 2). Scaevola hatte fol-
genden Rechtsfall zu entscheiden 3). Ein Testator hatte seinen
unmündigen Sohn zum Erben eingesetzt und seiner Wittwe als
Prälegat die dos und als weiteres Vermächtniß die Schmuck-
sachen und Sklaven, sowie zehn Dukaten hinterlassen; daneben
hatte er einen Pupillarsubstituten eingesetzt und demselben be-
fohlen, die dem Unmündigen auferlegten Vermächtnisse noch-
mals zu entrichten; die Wittwe hatte die ihr ausgesetzten Ver-
mächtnisse aus dem Haupttestament empfangen und noch in
ihrem Besitz, als sie nach dem Tode des Unmündigen mit dem
Pupillarsubstituten über das zweite Vermächtniß stritt. Scaovola
sprach sich dahin aus, die Wittwe könne eine Verdoppelung der
dos nicht verlangen, weil daran der Testator nicht gedacht habe;
dasselbe müsse aber auch von den speziellen Nachlaßsachen (den

Flor. ; auch arg. L. 18 D. de V. O., Pomp. Vgl. Schmidt S. 35; Arndts
S. 288, 289.
1) L. 86 § 1 D. de leg. 1, Jul.; L. 66 § 5 D. de leg. II, Pap.
Vgl. Arndts S. 289 ; Oesterreich, bürgerl. Gesetzb. tz 660: „Das Ver-
mächtniß einer bestimmten Sache kann von dem Legatar, wenn es in Einer
oder in verschiedenen Anordnungen wiederholt wird, nicht zugleich in Na-
tur und dem Werth nach verlangt werden".
2) L. 11 D. si quis omissa causa, Javol.
3) L. 88 § 7 D. de leg. II. Vgl. Sell S. 128, 129 ; Schmidt
S. 35, 36»

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