Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

Zur Lehre vom richterlichen Pfandrecht.

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Eine Bestimmung der in Abs. 2 des § 709 gedachten Art
ließ sich aber auch für die Hülfsvollstreckung in Mobilien schon
um deßwillen nicht wohl entbehren, weil nach §. 674 flg. im
Gegensatz zum römischen Recht der Gerichtsvollzieher nur als
Beauftragter des Gläubigers thätig wird, letzterer da-
her an den Hülssobjecten mit dem Moment der Ergreifung
durch den Gerichtsvollzieher den Besitz erlangt. Zum Schutze
dieses Besitzes war die actio hypothecaria bez. die Besitzklage
erforderlich.
Im klebrigen und von den vorstehends dargelegten Ab-
weichungen abgesehen stimmt die 1. 1 6. 8, 23 mit § 709
der EPO. überein. Die Befugnisse, welche das sog. richterliche
Pfandrecht dem Gläubiger verleiht, beschränken sich in beiden
Fällen aus Regelung des Verhältnisses desselben zu dritten
Personen und lassen sich dahin zusammenfassen:
1. Priorität einem späteren Eigenthumserwerber,
Pfandgläubiger und sonstigen dinglich Berechtigten gegenüber.
2. Ausschluß sämmtlicher Chirographargläubiger.
§ 9. Kritik des erlangten Ergebnisses.
Wenn ich zum Schluffe noch eine kurze Kritik des erlangten
Ergebnisses beifüge, so geschieht Dieses hauptsächlich, um der
gegenwärtigen Arbeit wenigstens den Vorwurf, welchen Ih e-
r i n g in seinem oftangezogenen Werke über den Geist des römi-
schen Rechts Theil I tz 2 S. 22 der gesummten deutschen Rechts-
wissenschaft macht, daß der Grundzug unserer ganzen, dem römi-
schen Rechte zugewandten Thätigkeit seit Jahrhunderten der des
unbefangenen Positivismus sei, daß unser Scepticismus über
die positiven Fragen, bei denen er allerdings nicht müde werde,
sich zu bethätigen, nicht hinausreiche, daß uns die Kenntniß der
Thatsachen genüge, das Urtheil aber nicht kümmere, zu ersparen.
In § l unter III habe ich die dort wiedergegebene Ansicht
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