Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

366

Amtsrichter Rudolph,

schästes vervollständigt. Wenn wir sagen: die Zahlung ist be-
st i m m t zu einer Schuldtilgung, zu einem Darlehn, zu einer
Schenkung, so folgen wir dem gewöhnlichen Sprachgebrauche
des Geschäftsmannes. In der correcten Ausdrucksweise des
Juristen müssen wir sagen: Die Zahlung ist Bestandtheil eines
Schuldtilgungs-, eines Darlehns-, eines Schenkungsvertrages.
Vermöge einer reinen Verstandesoperation zerlegen wir alle
diese Geschäfte in zwei Stücke, welche dadurch in einen Gegen-
satz zu einander treten: das eine ist die abstracte Leistung (res),
das andere der Rechtsgrund dieser Leistung (eau8u). Die eausu
ist also das Residuum derjenigen Parteiverabredungen, welche
in der abstrakten Vermögenszuwendung nicht zur Erscheinung
kommen. Es ist der zweite Vertragsbestandtheil, durch welchen
die bloße Leistung zu einem individuellen, lebendigen Rechtsge-
schäft ergänzt wird").
Kehren wir nun zur Interpretation des zweiten Absatzes
unserer 1. 1 zurück, so bietet das sueeeäit ex eausa eonlru-
etu8 Schwierigkeiten nicht mehr. Das Wort eau8a hat hier die
vorentwickelte Bedeutung. Der richterliche Befehl, welcher die
Veranlassung zur Entstehung eines Pfandrechtes an der mit Be-
schlag belegten Sache des Schuldners bildet, gründet sich auf die
Willenserklärung des Schuldners, mittelst deren dieser eine be-
stimmte, von ihm unerfüllt gelassene, im Urtheile als zu Recht
bestehend anerkannte Verpflichtung zu einer Geldleistung über-
nommen hat. Das Gericht vollstreckt nur das, was der Schuld-
ner selbst gewollt hat: nämlich seinen bei Eingehung des der
Klage und dem Urtheile, welches exsequirt wird, zu Grunde
liegenden Eontractes rechtsgültig erklärten Leistungswillen. Die-
ser Wille besteht als der rechtlich allein in Betracht kommende.

54) Salpius Novation und Delegation §. 36 S. Li6.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer