Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

Zur Lehre vom richterlichen Pfandrecht.

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die allmälige Entwickelung des Pfandrechtsbegriffes vergegen-
wärtigen. Die Entstehung des xiZnus in seiner frühesten Er-
scheinungsform beruhte auf einem Vertrage des Gläubigers
und des Schuldners, welcher als sog. Realvertrag durch die
Besitzübertragung, im Gegensatz zu der Eigenthumsübertragung
durch fiducia perfekt wurde ^).
Zu diesem rein obligatorischen Grundelement trat in Folge
der später zur Geltung gelangenden Hypothek, der Verpfän-
dung ohne alsbaldige Besitzübertragung, die hypothekarische
Klage auf Verwirklichung der Herrschaft über die Sache selbst
hinzu und noch später die Berechtigung zum Pfandverkaus suo
jure auch ohne das früher stets erforderte besondere paetum
de vendendo. Hierdurch wurde aus dem ursprünglich rein
persönlichen Rechte des Gläubigers auf Retention des Besitzes
der ihm übergebenen Sache bis zur Tilgung der Schuld, zu
deren Sicherung die Pfandbestellung erfolgte, ein dingliches
Recht desselben, vermöge dessen er sich aus der Pfandsache nach
eingetretener Fälligkeit seiner Forderung selbst Befriedigung zu
verschaffen berechtigt war. Ohne einen Psandvertrag aber konnte
sich der römische Jurist ein Pfandrecht ursprünglich gar nicht
denken. Als man daher später die Grundsätze des Pfandrechts
auch auf Verhältnisse übertrug, die nicht auf einem Vertrage
beruhten, suchte man sich wenigstens damit zu helfen, daß man
einen Psandvertrag fingirte. Diese Fiktion tritt klar zu Tage
bei den gesetzlichen Pfandrechten.
Dernburg in seiner Pfandrechtsmonographie Bd. I
S. 292 flg. sagt hierüber: Einen Übergang bezeichnete die
Hypothek des Vermiethers, des Verpachters. Es war allge-
mein Sitte, daß sich der Vermiether die in seine Wohnung
gebrachten Zllaten, der Verpachter die gewonnenen Früchte ver-
47) 1. 1 § 6 D. obl. et act. 44, 7, 1. 9 § 2 D. de pig. act. vel
e. 13, 7, § 4 J. quibus modis re contr. obl. 3, 14 (15).
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