Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

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Amtsrichter Rudolph,

baar erfolgen. War dieses nicht geschehen, so blieb nichts übrig,
als die verkaufte Sache aufs Neue zu capiren und zum zweiten
Male zu verkaufen, indem man davon ausging, daß das Pfand-
recht erst mit der Leistung der Kaufssumme erlösche. Aus dem
Erlöse ist der Gläubiger zu befriedigen, der Ueberschuß aber dem
Schuldner auszuzahlen. Der Kläger hatte das Recht mitzubie-
ten und in Ermangelung eines fremden Gebotes den Zuschlag
gegen den Betrag seiner Forderung, ohne daß ihm ein Nach-
forderungsrecht zustand, zu verlangen43).
§. 5. Aussprüche der Quellen über die rechtliche
Natur des pignus in causa judicati captum.
Die ganze Lehre vom richterlichen Pfandrecht beruht in der
Hauptsache auf Tit. 23 lib. VIII Cod. und hier wieder insbeson-
dere aus der 1. 1, deren Interpretation daher auch den wesent-
lichen Inhalt des gegenwärtigen Paragraphen bilden wird.
Diese 1. 1 lautet: Res ob causam judicati ejus jussu,
cui jus jubendi fuit, pignoris jure teneri ac distrahi posse
saepe rescriptum est. Nam in vicem justae obligationis
succedit ex causa contractus auctoritas jubentis.
Zunächst unterliegt es wohl kaum einem Zweifel, daß die
Auffassung Dernburgs in seiner oft angezogenen Monogra-
phie über das Pfandrecht Bd. I § 53 S. 420, welcher auch
Windscheid in dem Lehrbuche des Pandektenrechts Bd I
§ 233 S. 747 Note 5 beitritt, es sei die in Rede stehende lex
aus ein prätorisches Pfandrecht zu beziehen, aus einem Irr-
thume beruht. Zwar ist es, wie oben § 3 hervorgehoben
wurde, gleichfalls unrichtig, wenn Wal deck in dem Archiv f.
civil. Praxis Bd. 55 S. 484 Anm. 6 ausführt, die Dernburg-
sche Ansicht sei schon um deßwillen unzutreffend, weil die ci-
43) Wetzetl, I. c. §. 50 S. 640 Anm. 43 und die dort angezoge-
nen Schriftsteller, Müller, civilist. Abhandlungen Bd. I §. 18 S. 98 flg.

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