Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

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Amtsrichter Rudolph,

dungshalber zu ergreifen. Die Pfändung geschah nämlich nur
bei Mobilien regelmäßig durch den Beamten, obwohl auch hier
der Gläubiger damit beauftragt werden konnte. Bei Immo-
bilien dagegen wurde der Gläubiger stets selbst mit der Ausfüh-
rung des Pfändungsbefehles beauftragt. Der Vollzug dieses
Auftrages, die occupatio, war bei Immobilien eben der Akt
der pignoris capio. Gin ungewöhnliches Mitte! war die vom
Kaiser bezeichnete Maßregel deshalb, weil dadurch der oräo ex-
secutionis, nach welchem die Exekution in das Mobilienver-
mögen stattfand, verlassen wurde; ein wirksames d. h. ein die
rasche Erledigung der so lange hingehaltenen Sache ermöglichen-
des war sie aus dem Grunde, weil, wenn nun auch beim amt-
lichen Zwangsverkauf der betreffenden Grundstücke kein Käufer
erschien, der Gläubiger nach 1. 15 §. 3 D. 42. 1 berechtigt war,
sich dieselbe definitiv zum Eigenthume zuschlagen zu lassen. Bei
dieser Interpretation steht die 1.3 6.7, 53 der herrschenden An-
sicht nicht im Wege.
Nach dieser Auffassung soll also in unserer Stelle von einem
doppelten Pfandrechte die Rede sein, einmal von einem Konven-
tionalpfandrechte und sodann dem durch die im Auflage des
Magistrats vorgenommene occupatio bez., dafern sich der Gläu-
biger bereits im Besitze der ihm zunächst vertragsmäßig verpfän-
deten Grundstücke befand, wohl lediglich durch den jussus magi-
stratus erlangten richterlichen Pfandrechte. Es würde also der
Gläubiger zu seinem Konventionalpfandrechte nur noch ein rich-
terliches Pfandrecht erworben oder das erstere sich in ein richter-
liches Pfandrecht umgewandelt und der Vortheil hiervon soll da-
rin bestanden haben, daß dann der Gläubiger berechtigt gewesen
sei, sich die Sache definitiv zuschlagen zu lassen. Ob aber ein
solches Verfahren dem Zwecke unserer Stelle, dem Gläubiger ein
constantius remeckium zu verleihen, entspricht, dürfte m. E.

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