Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

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Dr. Gustav Hartm ann,

nung der voluntas oder der inneren geistigen Absicht isolirt auf,
wie eine abstracte theoretische Regel. Häufiger aber findet sie
sich im Zusammenhänge mit concreten Entscheidungen, die ein-
zig und allein die wahre Bedeutung des Princips veranschau-
lichen und näher bestimmen können.
War z. B. ausgemacht, es solle der ganze Kauf eines Grund-
stückes als nicht geschlossen behandelt werden („ut fundus inem-
tus foret“), sobald der Käufer mit einer Preisrate in Rückstand
bleibe: so gilt als entscheidend der sichtlich erkennbare Gedanke,
daß lediglich der Anspruch des Käufers auf das Behalten der
Waare verwirkt sein soll, nicht „ut ornnis obligatio ernti et
venäitl utrigue solveretur", wie es freilich der nackte Wort-
laut besagte. Denn „in emtis et venditis potius id quod
actum quam id quod dictum sit sequendum est" (Paulus
libr. V ad Sabin. fr. 5, § 1 d. contr. emt.). Mithin be-
kommt gegen den Wortlaut der Verkäufer die actio venditi und
zwar mit Auswahl zwischen Einsorderung der ausbleibenden
Preisrate und Rückgängigmachung des Handels.
War ferner z. B. eine Verpachtung städtischer Grundstücke aus
so lange erfolgt, wie der Pächter und sein „lieres" den bestimmten
Zins richtig zahlen würde: so gilt auch zu Gunsten eines Lega-
tars des Pächters das Gleiche, grade weil nach Papinians
tlibr. II resp. kr. 210 d. Y. S.) begründenden Worten „in
conventionibus contrahentium voluntatem potius quam
verba spectari placuit."
Der offenbare Sinn dieses neueren Willens-Princips ist
also nur der folgende. Es soll der volle geistige Inhalt des
Rechtsacts, insbesondere Vertrages, zur Geltung gebracht wer-
S. 98 fg. Ueberhaupt behandelt hier Buch I S. 1—398 mit reichhaltigem
Material „die Principien der Suprematie von Wort oder Wille". — Fer-
ner bei Z itelmaun Jahrb. xvi S. 423 fg., Köhler, Iahrb. xviii,
158. —

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