Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

Zur Lehre vom richterlichen Pfandrecht.

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der allmäligen Erstarkung der Staatsgewalt wurde das in dem
Legisaktionenprocesse und der Execution desselben consequent
zur Durchführung gebrachte Prineip der Selbsthülse immer
weniger vereinbar und so kam es, daß die Prätoren die ihnen
verliehene Amtsgewalt dazu benutzten, zunächst wohl nur auf
ausdrückliches Ansuchen in Einzelfällen, in den Prozeß bez. das
Executionsverfahren einzugreifen. Hiermit war ganz naturge-
mäß die Ueberleitung zu dem Grundprincip der zweiten Periode,
der Aufhebung der Vertragsmäßigkeit des Processes und der
Selbsthülfe in der Executionsinstanz, zur völligen Subordina-
tion der Staatsbürger unter die durch den Richter repräsentirte
Staatsgewalt gegeben. Der Richter leitet seine Machtbefugniß
nunmehr vom Staate, nicht von der freiwilligen Unterwerfung
der Parteien ab, dieselbe besteht nicht blos darin, das Recht
zu constatiren, es zu weisen, sondern es auch zu verwirklichen.
Alle gesetzlichen Bestimmungen dieser zweiten Periode, durch
welche neue prozessuale Institute eingeführt werden, gehen von
diesen Grundsätzen aus und sind daher erforderlichenfalls unter
Berücksichtigung derselben zu erklären.
War nun aber der Richter während der hier in Rede
stehenden ersten Entwickelungsperiode etwas Weiteres nicht als
ein Schiedsrichter, so wird man aus die Behauptung, es habe
der Gläubiger durch die Hülfsvollstreckung an der Person des
Schuldners ein dingliches Recht erlangt, da ein Schiedsrichter,
zumal es sich um das eaxul eines römischen Bürgers handelte,
ein solches nicht verleihen und der einseitige Akt der Selbst-
hülse an und für sich es nicht zur Entstehung bringen kann,
als unzutreffend zurückweisen müssen.
Endlich würde sich eine solche Annahme auch mit der
obengedachlen organischen Entwickelung der prätorischen Mis-
sion aus dem altcivilen Executionsverfahren nicht vereinigen
lassen.

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