Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

Zur Lehre vom richterlichen Pfandrecht.

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Urtheil in der vorstehend gedachten Richtung, so folgt hieraus,
daß aus der Bezeichnung des Schuldners als aääielus ein
Beweismoment für die Annahme, es habe der Gläubiger an
der Person des Schuldners durch die addictio ein dingliches
Recht erlangt, schon um deßwillen nicht abgeleitet werden darf,
weil dann in den weitaus häufiger vorkommenden Fällen, wo
Widerspruch gegen das Recht des Gläubigers zur Anwendung
der Selbsthülfe nicht erhoben wurde, im Mangel einer addi-
ctio und einer besonderen diesbezüglichen Gesetzesvorschrift von
einem Recht des Gläubigers an der Person des Schuldners
allenthalben nicht die Rede sein könnte.
Zu dem gleichen Enderkenntnisse gelangt eine Mehrzahl
neuerer Schriftsteller 19) und insbesondere auch Savigny in
seiner Abhandlung über das altrömische Schuldrecht. Den Aus-
führungen derselben, auf welche ich der Kürze halber und um
Wiederholungen zu vermeiden verweise, möchte ich noch zwei
Momente beifügen.
Die Annahme eines dinglichen Rechts des Gläubigers an
der Person des Schuldners würde in direktem Wiederspruche
stehen mit den Principien, welche der gesummten Proceßgesetz-
gebung dieser Periode zu Grunde liegen und endlich auch der
bereits oben hervorgehobenen organischen Entwicklung der prä-
torischen Mission aus dem altcivilen Executionsverfahren wider-
streiten.
Nach den epochemachenden Ausführungen Ihering's in
seinem Werke über den Geist des römischen Rechts 33b. I § 11 flg.
wird man für die gesammte Entwickelung des römischen Staats-
wesens in der Hauptsache zwei Perioden unterscheiden und solche
streng auseinanderhalten müssen.
19) Be ihm a n n-Ho llweg i. e. Bd. i § 53 S. 198, 201 Anm. 37,
Bd. II §. 113 S. 665 flg. Huschte l. c. S. 79 flg., H artmann die
Obl. S. 121.

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