Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

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Amtsrichter Rudolph,

Die Ansicht, nach welcher der Gläubiger durch die rnanus
injectio Eigenthumsrechte an der Person des Schuldners er-
langt haben soll, stützt sich nun auch nur auf die von den bei
Bethmann-Hollweg I. c. Bd. I § 53 Anm. 19 S. 198
und Bd. II § 113 Anm. 4 und 5 S. 662 genannten Schrift-
stellern vielfach gebrauchte Bezeichnung des Schuldners als ad-
dictus, also anscheinend darauf, daß der Magistrat kraft der ihm
innewohnenden Machtbefugniß in jedem einzelnen Falle
den Schuldner dem Gläubiger zugesprochen habe.
Ich halte diese Annahme für unrichtig.
Zwar sind auch m. E. die Gründe, welche Huschte in
seiner Schrift über das nexum S. 79 Anm. 97 und IHering
1. e. Bd. I § 11° Anm. 59b S. 152 dafür anführen, daß bei
der rnanus injectio eine addictio des Schuldners überhaupt
nicht ftattgefunden habe, nicht durchschlagend, ich nehme viel-
mehr an, daß bei der manu8 injectio eine addictio allerdings
habe Vorkommen können, nur glaube ich, daß dieses keineswegs
stets, sondern nur dann der Fall war, wenn eine legis actio
per manus injectionum im oben dargelegten Sinne erhoben
wurde, also, wenn der dem Prätor vorgeführte Schuldner das
Recht des Gläubigers auf Anwendung der Selbsthülfe bestritt.
Addictio bezeichnet den Richterspruch, das Urtheil, welches der
Prätor im Verfolg der legis actio per manus injectionem
zu erlassen hatte, und in welchem er lediglich das von dem
Schuldner im concreten Falle bestrittene Vorhandensein der ge-
setzlichen Voraussetzungen zur Selbsthülfe anerkannte. Durch
diese Annahme findet die Nichterwähnung der addictio in der
XII. Tafelgesetzgebung und bei Gajus, da diese nur den Nor-
malfall der Execution, welcher ohne die Erhebung der legis
actio per manus injectionem zu verlaufen pflegte, schildern,
ausreichende Erklärung.
Ist nun aber die addictio etwas Weiteres nicht als ein

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