Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

Zur Lehre vom richterlichen Pfandrecht.

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sich der Schuldner der manus injectio entzog, das gleiche
Mittel wählte. Was gegen den nicht Iudicirten gestattet
wurde, war, da zu einer vollständigen defensio die Erfüllung
des Urtheils gehörte15), auch gegen den hiermit säumigen
Schuldner, sowie nach der bekannten Gleichstellung der con-
fessio in jure mit der Verurtheilung gegen den confessus in
jure16) nicht leicht zu verweigern.
Wenn der Schuldner innerhalb der gesetzlichen Frist Intra.
8tatutmn tempus — 1. 5 C. de revoc. etc. 7, 75 —, also
innerhalb der nächsten 30 Tage nach der Verurtheilung 8ati8
non fecit, nec defenditur, so wandte sich der Gläubiger an
den Prätor und bat um die Einweisung in das Vermögen
des Schuldners (postulatio). Waren die Voraussetzungen
derselben, wie solche das Edict aufstellte, vorhanden, so er-
theilte dieser ohne vorgängige causae cognitio durch ein Decret
die Erlaubniß, die Güter des Schuldners in Besitz zu nehmen.
Solches durch öffentlichen Anschlag bekannt zu machen und
regelmäßig auch sie zu verkaufen. (bona possideri, pro-
scribive, venirique jubet). Ausnahmsweise, namentlich ge-
gen den nicht vertretenen Pupillen und in öffentlichen Ge-
schäften Abwesenden ist die Mission auf die Besitzergreifung
und öffentliche Bekanntmachung beschränkt, auch ging wohl
solchenfalls der Ertheilung derselben eine causae cognitio
voraus1 ?).
Durch die missio erlangte der Gläubiger, wie die Duel-
len ausdrücklich hervorheben, nicht juristischen, durch possesso-
rische Interdicte geschützten Besitz, noch weniger Eigenthum,
auch nicht ausschließliche Detention, sondern nur Mitbesitz dem
Schuldner gegenüber und custodia, zu deren Schutz ein be-
15) 1. 63 D. de jud. 5. 1.
16) Bachofen Pfandrecht S. 294 unter 11.
17) Bechmann-Hollweg l. c. Bd. n § 114 S. 674.
XX. N. %. VIII. 22

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