Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

Zur Lehre von der Aufrechnung.

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nähme noch zur Entstehung gelangenden Rechtsverhältnisse zu
Grunde gelegt würde. Hiernach kann also im Falle des Gegen-
überstehens zweier Forderungen die Möglichkeit einer später er-
folgenden Abtretung außer Betracht gelassen werden, und unter
dieser Voraussetzung
1) erlangt der Schuldner einer fälligen Forderung, so-
bald er eine gleichartige, aber bedingte oder betagte Gegenfor-
derung gegen den Gläubiger erwirbt, schon hierdurch nicht bloß
die Aussicht auf den Erwerb des Rechts, die Forderung des
Gläubigers durch Aufrechnung zu tilgen, sondern bereits dieses
Recht selbst, nur bedingt durch den Umstand, daß der Gläubiger,
welcher allerdings in der Geltendmachung seiner Forderung in
keiner Weise beschränkt werden darf, die Einziehung derselben
bis nach Eintritt der Bedingung oder Ablauf der Frist der Gegen-
forderung anstehen läßt. Ebenso hat, immer unter der als zu-
lässig nachgewiesenen Voraussetzung, daß von der Möglichkeit
einer späteren Abtretung abgesehen wird,
2) der Schuldner einer bedingten oder betagten Forderung,
welchem zugleich eine fällige Gegenforderung gegen seinen Gläu-
biger zusteht, schon durch das Gegenübertreten der Forderungen
ein Recht aus deren Tilgung durch Aufrechnung erlangt und die
Ausübung dieses Rechts ist solchenfalls lediglich davon abhängig,
ob er selbst mit der Betreibung seiner Forderung bis nach
Eintritt der Bedingung oder Zeitbestimmung warten will.
3) Sind ferner beide einander gegenüberftehende Forde-
rungen bedingt oder betagt, so ist bei dem Festhalten der näm-
lichen Voraussetzung auch hier für Jeden der beiden Forderungs-
inhaber das Recht auf Befreiung durch Aufrechnung bereits zur
Entstehung gelangt und nur abhängig davon, daß die For-
derung des Andern nicht eher fällig und eingezogen werde, als
bis auch seine Forderung fällig geworden ist.
4) Sind endlich die gegenseitigen Forderungen zwar fällig.

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