Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

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Dr. Gustav Hartmann

gend Unbestimmte und Ungewisse eben das Dasein jeder sol-
cher weiteren Absicht selbst. Ja die Existenz eines derartigen
Haftungswillens ist dermaßen unbestimmt und ungewiß, daß
man viel eher positiv von dem gleich anfänglichen Fehlen des-
selben überzeugt sein kann, wenn jetzt nachträglich der Urheber
der Erklärung die Haftung in dem geäußerten abirrenden Sinne
von sich ablehnt. Im Grunde läuft also diese ganze Theorie
der unbestimmten Absicht für unsere Fälle nur hinaus auf eine
Fiction bes in Wahrheit fehlenden Willens.
Einfacher und richtiger wird es dann immer noch sein,
gleich in der Manier B ä h r 's den Erklärenden offen aus einer
„Fiction seines Willens" haften zu lassen (Iahrb. XIV, S. 407
u. 421). Nur ist einerseits das Betreten des schlüpfrigen Bo-
dens der Fictionen practisch nicht ungefährlich. Denn wenn
man einmal anfängt, den Willen überhaupt zu fingi re n: so
wird man es leicht auch da thun, wo selbst eine Erklärungs-
handlung fehlt und eine nur erst privatim entworfene Urkunde
z. B. mittelst einer Entwendung in die fremde gutgläubige Hand
gelangte (Bähr a. a. O. S. 413 fg.). Andererseits schließt
ja auch keine solche Fiction irgend welche wissenschaftliche Be-
gründung und Aufklärung des Problems in sich. Sie mag nur,
unter dem Aushängeschild des Fefthaltens an der alten Theorie,
als eine Einleitung dienen für den Uebergang in eine neue ge-
reinigte Lehre.
Genug, beredte Beispiele reden. Alle dialektische Kunst
muß sich vergebens selbst überbieten und ist doch nicht im Stande,
zu verdecken, daß die herrschende Lehre „kein Erfolg des Rechts-
geschäfts ohne entsprechende innere Absicht" ganz unvereinbar
ist mit den anerkannten praktischen Nothwendigkeiten des Rechts-
lebens. Ob also wohl jene herrschende Lehre wirklich aus den
Quellen der classischen Jurisprudenz richtig abstrahirt ist? Ob
sie nicht vielmehr in ihrer jetzigen Gestalt und Fassung mit die-

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