Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

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Dr. Theodor Schwalbach,

jährung Ungefähr gleichzeitig entwickelte Brinz densel-
ben Grundgedanken und Unger^) unterschied für das öster-
reichische Recht zwischen Präclusivfristen für die Ausübung eines
Rechts und wahren Verjährungsfristen. An Fick knüpft kei-
ner von ihnen an; erst die zweite Auflage von Brinz' Pan-
dekten nennt ihn als beachtenswertsten Vorgänger. Deme-
lius, Brinz und Unger betrachten die wahre Verjährung
als Wirkung der dauernden Unthätigkeit des Berechtigten, die
Temporalität dagegen als äies aetionis, tempuL legitimum
für die Anstellung einer Klage. Auf das Einzelne ihrer be-
kannten Ausführungen soll hier nicht näher eingegangen werden.
Grawein stellt uns nun den Nachweis in Aussicht, daß
dieser Begriff der „gesetzlichen Befristung" keineswegs eine rö-
mische Antiquität sei, sondern dem lebendigen Rechte der Ge-
genwart angehöre. Schon der erste Band des Buchs, die „civil-
rechtliche Grundlegung", beweist uns das Vorhandensein gesetz-
licher Befristungen im österreichischen und preußischen Recht und
macht uns die Anwendung des Begriffs auf die s. g. Wechsel-
verjährung plausibel. Vortrefflich ist die Entwickelung der rechts-
polikischen Gründe, welche dem Institut der gesetzlichen Befri-
stung im Gegensatz zu dem der Verjährung zu Grunde liegen.
Das künftige deutsche Civilgesetzbuch, wie auch ein etwaiges
internationales Wechselrecht, werden der Grawein'schen Un-
tersuchung Wichtiges zu danken haben.
Ich gelange zur Prüfung der Grawein'schen Begriffe
und der daraus von ihm entwickelten Säße. Bei der „gesetz-
lichen Befristung" soll die Zeit das Maß für die Dauer der
Wirkungen einer rechtsbegründenden Thatsache sein. Wenn
Grawe in selbst öfters von Rechtsbefristung, von einer den

1) Untersuchungen aus dem römischen Civilrecht I. (1856).
2) Pand. 1. Aufl. (1857). §. 47.
3) Oesterreich. Privatrecht l. ß. 104 unter II. am Ende.

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