Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

Die rechtliche Natur des Geldwechslergeschäfts. 243
Das Richtige ist meines Erachtens Folgendes:
Die Banknote ist im Verkehr, d. h. im Derhältniß zwi-
schen dem ersteren oder einem weiteren Nehmer derselben und
späteren Nehmern als Sache, nur als Sache, nicht als Forde-
rung anzusehen. Dies ist, wie wir oben sahen, das Gewollte,
dies ist aber auch das sich aus der Natur des Inhaberpapiers
mit Nothwendigkeit ergebende Facit *).
Dieser letztere Satz hat in der Praxis schon lange überwie-
gende Anerkennung gesunden.
So sagt das OAG. zu Darmstadt im Erkenntniß vom
18. Mai 1841: Die Obligationen auf den Inhaber seien als
Maare zu betrachten und könnten hierbei nicht die Grundsätze
des römischen Rechts und die Haftung des Cedenten bei der
Eession von Forderungen gelten, sondern es müßten die Grund-
sätze vom Kaufe körperlicher Sachen zur Anwendung kommen.
Ebenso das geh. Obertribunal in Berlin im Urtheil vom
28. October 1 84 7 1 2): „Das Eigenthum (solcher aus den In-
haber lautender Papiere) wird durch die bloße Uebergabe ohne
förmliche Eession übertragen. Die Leichtigkeit des Umsatzes sol-
cher Papiere hat sie im täglichen Verkehre zu einer Maare ge-
staltet, die einen marktgängigen Preis und überall, wo Han-
delsbörsen sind, einen Börsencours haben."
„Im Verkehr, sagt ein Erkenntniß des Obergerichts zu
Wolfenbüttel vom 12. Mai 1 855 3), stellt sich das (auf den
Inhaber lautende) Werlhpapier wie jede andere vertret-
bare Sache dar."

1) Der Nachweis der letzteren Behauptung würde für diese Ab-
handlung zu weit führen und wird den Gegenstand einer demnächst zu
Publicirenden besonderen Arbeit des Verfassers bilden.
2) Seuffert Arch. in No. 26; genauerer Text in „Entscheidungen
des Kgl. Geh. Ober-Tribunals" Bd. xvi S. iu.
3) Seuffert Arch. IX No. 206.

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