Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

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Dr. I. Rieß er,

als Tauschguts schließlich völlig zurücktreten und stellt die
Werthmesser- (Preis-) funetion des Geldes derart in den
Vordergrund, daß eben hierdurch das Geld von allen übrigen
Tauschgütern begrifflich sich scheidet, welche diese Function nicht
ausüben, welche nicht messen, sondern gemessen werden. Indem
das Geld als Tauschmittel, Werthmesser, Preis bei dem Um-
sätze sungirt, hört es sür die juristische Betrachtung dieses
Umsatzes aus, Tau sch gut zu sein. Von hier aus erklärt sich
die Anschauung: nee ultra merx utrurntsue, sed alterum
pretium vocatur; aliud pretium, aliud merx.
§.18.
Aus Obigem folgt: Das Geld kann Kaufpreis, pretium
nur sein, wenn es als ein Besonderes dem anderen Tauschgut
im Umsätze gegenüber tritt. Diese Besonderheit besteht aber
darin, daß es und nur es, nichts Drittes zur Messung
jenes anderen Tauschguts verwendet wird: wenn das Geld
nicht selbst allgemeiner Werthmesser sein kann, so kann
es unmöglich Preis sein. Als Preis aber kann das Geld
dann nicht fungiren, wenn es noch erst selbst an anderem Gelde
gemessen werden muß. Denn es entbehrt solchenfalls jener pub-
lica ac perpetua aestimatio1), deren der Werthmesser
seiner Natur nach bedarf. DaS nur historisch interessante Geld-
stück kann daher als pretium nicht dienen, weil es kein allge-
meiner Werthmesser ist. Fungirt nun aber Geld im Umsätze
1) Nur die Währung ist „Träger eines innerhalb des Staatsgebiets
überall gleichen Werthes." Goldschmidt S. 1062 Anm. 3. Dabei hat
man sich allerdings darüber klar zu sein, „daß das die Maßeinheit bildende
Quantum Silber und Gold nicht denselben Verkehrswerth für sich be-
wahrt, daß also die Messung durch eine relativ nicht unbedeutenden
Schwankungen ausgesetzte Güterart erfolgt," — es gießt eben keinen „ab-
soluten Werthmesser." Als Maßeinheit aber tritt immer dasselbe Ge-
wichtsquantum von Gold und Silber auf und insofern ist das einhei-
mische Metallgeld ein „werthconstantes" Gut.

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