Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

Die rechtliche Natur des Geldwechslergeschäfts.

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auch das Handelsrecht, die handelsrechtliche Theorie, in
welcher wir zunächst eine Feststellung des Rechtsbegriffs des
Geldwechslergeschäfts zu suchen und zu erwarten haben werden.
Bei den Griechen und Römern war ein Handelsrecht als
ein )us speciale für Kaufleute und für den Handel nicht vor-
handen ; die Griechen hatten sogar nicht einmal ein technisches
Wort für den Begriff Kaufmann'). Es würde sonach von
geringem Interesse sein, aus den Quellen nachzuweisen, daß die
Römer den argentarius unter die mercatores zählen, wenn-
gleich zu bemerken ist, daß gerade bei dem Geldwechslergeschäft
im römischen Recht sich einzelne rechtliche Eigenthümlichkeilen
ausgebildet haben (actio de recepto u. A. m.).
Die sehr umfangreiche, mittelalterliche handelsrechtliche Lit-
teratur, in welcher sich vielfache Erörterungen über den Geld-
wechsler und das Geldwechslergeschäft finden, spricht sich vor
Allem dahin aus, daß der Geldwechsler schon deshalb nicht
Kaufmann sein könne, weil er nicht, was zum Begriff des Kauf-
mannes gehören sollte, forma non mutata verkaufe. So sagt
Lenvenuto Straccha in seinem Tractatus de merca-
tura seu mercatore1 2) I n°. 1. mercator est, qui negotia-
tionis seu negotiationum exercendarum causa quaestusque
liciti faciendi causa frequenter merces permutat seu emit,
ut eosdem, non minutatim, nec mutata per se for-
ma distrahat“ . . . Igitur his praefatis quum campso-
ribus ea quae in nostra definitione seu descriptione di-
ximus non conveniunt, mercatores dici non posse puto,
(I n°. 68).
Dieser enge Begriff des Kaufmannes und des Handels ist

1) Siehe Goldschmidt, Handbuch des Handelsrechts (2. Aufl.)
Bd. I S. 417 Amn. 1.
2) Lugduni 1558.

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