Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

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Dr. M. Scherer,

Aber noch eine weitere Ungewißheit greift Platz. Seine
Lieben können alle vor ihm durch den Tod ereilt werden. Aus
diesem Grunde schon und wohl auch aus Egoismus, um seine
Frau und Kinder, deren künftiges Verhalten er noch nicht
kennt, in der Hand zu haben, behält er sich ein subsidiäres
Recht der Verfügung über die Police bevor.
Hierzu kommt, daß die Versicherungsgesellschaften selbst
ein großes Interesse daran haben, die in den Policen angeleg-
ten Kapitalien nicht für alle Fälle sestgelegt zu sehen und na-
mentlich dem Versicherten das Recht zu gewähren, selbst die
Vortheile aus dem Lebensversickerungsvertrage genießen zu
können.
Aus allen diesen Gründen enthält der Versicherungsver-
trag in der Regel folgende Bestimmungen:
1. Die Versicherungssumme ist zahlbar an die Frau und
Kinder (Erben) oder an die Person, die sich der Versicherte zu
bezeichnen vorbehält.
2. Die Police ist Eigenthum des Versicherten, welchem
das Recht bleibt, jederzeit anderweitig über die Police zu ver-
fügen, dieselbe zu beleihen und selbst zu veräußern.
3. Für den Fall der Versicherte das 60. Lebensjahr er-
reicht, erfolgt die Auszahlung der Versicherungssumme an diesen
selbst.
Dieses Dertragsgebilde ist ein Kind der neuesten Zeit und
nach der allgemeinen Behauptung berufen, dem Interesse der
Familie zu dienen. Es gab eine Zeit, in welcher man anders
dachte. In den Motiven zu dem Code civil und zwar zu den
aleatorischen Verträgen spricht sich Portalis dahin aus: Le-
bensversicherungen und ähnliche Verträge sind in sich fehlerhaft
und versprechen nicht einen solchen Nutzen, welcher die Fehler
und die Mißbräuche auswiegt, zu welchen sie Veranlassung
bieten.

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