Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

D. Lehre v. d. Testamentsvollziehern nach gem. u. Preuß. Rechte. 147

§. 28.
Anhang ii.
Die Vollzieher eines Erbvertrags.
Faßt man den Begriff „Testamentsvollzieher" als identisch
mit dem Begriff „Vollzieher eines letzten Willens", so muß
nach beiden Rechten die Ernennung von Vollziehern in Erb-
verträgen hierher gerechnet werden, denn der Erbvertrag
enthält eine letztwillige Verfügung. —
Es kann nun ein Vollzieher im Erbvertrage zwischen dem
Testator und dem Erben mit oder ohne seine Zuziehung ernannt
werden; im ersteren Falle erhält er eine directe Berechtigung.
Der Testator kann wohl auch beim Abschluß sich die Befugniß
Vorbehalten, einen Executor zu wählen 1). Dagegen halte ich
es nicht für zulässig, einen Executor in einem Vertrage ad hoc
zu ernennen. Wie beim Testamente die Vollmacht ein Th ei l
desselben ist, so ist sie auch beim Erbvertrag ein Th eil dieser
letztwilligen Verfügung; sie vermag ihrem Wesen nach al-
lein nicht zu bestehen, sondern muß ihrer „Instruction" beige-
fügt sein.
Uebrigens ist die Vollstreckung der Erbverträge der Praxis
wohl kaum bekannt. Der Grund liegt meines Erachtens darin,
daß man, wenn man den Erben beschränken will, nicht die
Form eines zu Weiterungen führenden Vertrags,
sondern die verschwiegene Testamentsform wählt.
§. 29.
Die Ausgabe der Gesetzgebung.
Werfen wir einen Blick auf das Institut de l6g6 ferenda,
so läßt sich nach dem gegenwärtigen Standpunkte beider Rechte
nicht bestreiten, daß dasselbe die Aufnahme in das deutsche
Gesetzbuch verdient. Wie es die Anfeindung der Roma-
nisten nicht beseitigen kann, so kann zwar die Vorliebe der
l) Ok. Beseler, Zeitschrift loc. cit. p. 225.
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