Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

Wort und Wille im Rechtsverkehr.

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ben. Das Alles möge aber auch verworfen werden^). Man
möge geradezu in den psychologischen Begriff des Willens mit
aufnehmen, daß der ganze wirklich verursachte weitere wie
nähere Erfolg seiner Individualität nach in der bewußten Bor-
stellung und Absicht lag").

6) Mit Hölder (krit. Bierteljahrsschr. Bd. 14 (1872' S. 563 fg.),
nach welchem eine wirkliche Erklärung, eine „vollendete Handlung" ganz
fehlt, wenn die vorliegende Körperbewegung des Schreibens oder Spre-
chens sich verirrte, zuwider der intellectuellen Vorstellung ausfiel. — Da-
gegen Pernice in Goldschmidt's Zeitschr. f. Handelsrecht Bd. 25 (188m
S> 133 f., welcher aus den psychologischen Prämissen in unserem oben vor-
hergehenden Text eine Handlung und Haftung des im Worte Fehlgreisen-
den folgert.
7) Uns. wenn wir im Folgenden Wort und Wille einander gegen-
über stellen, ist „Wille" weder der unmittelbare psychische Act, welcher
„die Hervorbringung der zur Herstellung des Zeichens (der Erklärung) er-
forderlichen Körperbewegung zum Inhalt hat" (so Bekker, krit. Viertel-
jahrsschr. XXII 1880 S. 44); noch umschließt uns der Wille im weiteren
Sinn die ganze äußere Seite der Handlungsreihe, d. h. sowohl den un-
mittelbar auf die Außenwelt einwirkenden psychischen Act, wie auch den
mittelbaren Willen oder die aus die Folgen und Erfolge der Handlung ge-
richtete Absicht (Zitelmann, Jrrthum und Rechtsgeschäft 1879 S. i3i);
noch endlich erstreckt sich unser Willensbegriff auch auf die unbeabsich-
tigten Folgen gewollter Ursachen, wonach er hier den ganzen Kreis
dessen in sich begreifen würde, was durch die Erklärungshandlung wirklich
an rechtlichen Folgen verursacht wird, mag der Handelnde sich diese Fol-
gen vorher vorgestellt haben oder völlig im Dunkeln darüber geblieben sein
(Binding, Normen n 1877 S. 104—115). Vielmehr ist uns Wille der
innere Gedanken- und Vorstellungsgehalt, der bei einer juristischen Hand-
lung nach der irgendwie erkennbaren und erweislichen realen, vielleicht sehr
verfehlt geäußerten und treuwidrigen inneren Absicht des Handelnden für
die Gestaltung der Wirklichkeit entscheidend sein soll. Es bleibt dabei da-
hingestellt , ob jener Vorstellungsgehalt in der Thal, als bei gesunder und
normaler Willenserklärung, seine Verwirklichung finden kann; oder ob er
nach der sorgfältig abwägenden Entscheidung der Rechtsordnung ganz oder
theilweis Schiffbruch leiden muß, weil er etwa nicht in Einklang steht mit
dem Wort, d. h. überhaupt mit dem äußeren Thatbestaud des Rechtsge-
schäfts und dem aus diesem Thatbestaud unmittelbar nach außen hin her-
vorlenchtenden Gedanken. Wer z. B. bei einem Ankauf im Worte sehlgreist,

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