Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

D. Lehre v. d. Testamentsvollziehern nach gem. u. Preuß. Rechte. 129
dies liegt, wie Dernburg treffend aber zögernd zugibt, in der
Eonsequenz seiner Aufgabex).
Die Verwaltungs Handlungen umfassen im allge-
meinen die Befugniß, den Nachlaß zu bewahren und zu erhal-
ten, für Entrichtung der Schulden zu sorgen, die Masse zu ver-
silbern , soweit sein Geschäft die Herstellung eines Aetivbestands
fordert. Daher wird er zu Veräußerungen ohne eine be-
sondere weitergehende Ermächtigung nur soweit befugt sein, als
eine gewöhnliche Wirthschaftsführung dies erfordert, oder inso-
fern eine Vertheilung nicht anders möglich ist. Don einer dau-
ernden Verwaltung, welche mit dem Recht Speculationen zu
unternehmen, Neuerungen anzuordnen rc.1 2) verbunden wäre,
kann keine Rede sein. Die provisorischen Verwaltungshand-
lungen des Vollziehers müssen dem Zwecke des Instituts, den
Nachlaß rasch und gewandt zu vertheilen, entsprechen.
Nach preußischem Recht könnte es scheinen, als ob die Ver-
waltungsbefugniß dem Vollzieher jedesmal besonders beigelegt
sein müßte, denn § 558 I. 12 A.L.R. lautet:
„Ist mit dieser Vollziehung zugleich die Verwaltung des
Nachlasses ganz oder zum Theil verbunden, so ist der Voll-
zieher insoweit als Verwalter fremder Güter zu betrach-
ten".
Hiermit ist jedoch keineswegs gesagt, daß die Frage, ob mit
der Vollziehung die Verwaltung verbunden sei, nur dann zu
bejahen sei, wenn der Erblasser das ausdrücklich ungeord-
net hat; vielmehr kann sich auch nach Preußischem Rechte diese
Anordnung aus dem Inhalte des zu vollziehenden Testaments
von selbst ergeben.
Die Frage, wie weit die Rechte der Erben neben den
1) Dernburg loc. cit. p. 456 Anm. io.
2) Daher darf der Vollzieher kein im Nachlaß Vorgefundenes Wechfel-
blanket ausfttllen. S e u f f e r t, Arch. XII p. 90.
XX. N. F. VIII.

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