Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

D. Lehre v. d. Testamentsvollziehern nach gem. u. Preuß. Rechte. 127
Mit dem Begriffe des abgeleiteten Besitzes operiren
zu wollen, halte ich von vorn herein für sehr bedenklich, denn
es fehlt an einer gemeinsamen ratio, aus der sich die einzelnen
Falle desselben construiren ließen.
Ebensowenig ist mit der Herbeiziehung des Preußischen
unvollständigen Besitzes etwas zu erreichen, weil der Voll-
zieher nicht die Absicht hat, für sich selbst über die Nachlaß-
stücke zu verfügen.
Der Testaments Vollzieher hat vielmehr den v o l l st ä n -
digen Besitz. Hinschius behauptet, daß derselbe den Be-
sitz in der Art habe, daß er anlmo et corpore den Erben
repräsentire, daher müßten die Rechtswirkungen des Besitzes
dem Erben angerechnet werden. Die an sich folgerichtige
Consequenz trifft aber nicht zu, denn die rechtlichen Wirkungen
dieses Besitzes treffen nicht den Erben, sondern den Nach-
laß! — durch Testament und Gesetz wird derBesitzes-
schutz, soweit er zur Vollziehung des letzten Wil-
lens nötig ist, dem Erben genommen und dem Te-
stamentsvollzieher gegeben. Der Besitz muß ein voll-
ständiger sein, denn ist der Testaments v ollzi eh er einmal
befugt, zur Erledigung seiner Geschäfte Besitz zu verlangen, so
muß er auch damit gegen die Erben durchdringen können.
„Wem die Gesetze ein Recht geben, dem bewilligen sie auch
die Mittel, ohne welche dasselbe nicht ausgeübt werden kann"
(Einleitung zum A. L.-R. §. 89).
Demnach müssen dem Testamentsvollzieher für seinen
Wirkungskreis die remedia retinendae wie recuperandae pos-
sessionis zustehen, er muß für den Nachlaß usucapiren kön-
nen wie ja auch sonst sein Erwerb den Nachlaß vergrößert
lDernbürg p. 458 Anm. 2 loc. cit.)1).

i) Der Vollzieher ist in der Thal eine wirkliche und wesentliche Zwi-

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