Full text: Volume (Bd. 20 = N.F Bd. 8 (1882))

D. Lehre v. d. Testamentsvollziehern nach gem. u. Preuß. Rechte. 123
ist. — Daraus, daß dieser Prüfstein meine Construetion als
echt ergeben hat, schließe ich auf ihre unangreifbare Richtigkeit.
§. 19.
Die Befugniß des Testamentsvollziehers, den
Nachlaß zu conftituiren, zu verwalten und zu
vertheilen.
Der Vollzieher ist in jedem Falle befugt, sobald es sein
Geschäft verlangt, den Nachlaß zu conftituiren, zu verwalten
und zu vertheilen. Diese Befugniß liegt stets schon in der
Formel: „Zum Testamentsvollzieher ernenne ich den N. N."
ausgesprochen, wenn das Testament sich nicht ohne jene Ge-
schäftskategorieen vollziehen läßt! Es ist daher in keiner Weise
zu rechtfertigen, wenn die meisten Autoren einen exeeutor me-
rus mit einem beschränkteren Geschäftskreis und einen exeeuwr
mixtus mit einer, durch ausdrückliche Willenserklärung
des Testators erweiterten Kompetenz unterscheiden 1). Wer mit
Dernburg und vielen Anderen behauptet, daß die Liquida-
tion und Verwaltung des Nachlasses in der Testamentserecution
an sich nicht liege, widerspricht dem Willen des Testators. Mit
Vermuthungen2) läßt sich hier überhaupt nicht operiren; im
Zweifel wird man aber bei dieser Interpretationsfrage eher an-
nehmen dürfen, daß der Erblasser dem Vollzieher die weiteste
Machtvollkommenheit eingeräumt habe, als daß man die Stel-

1) Wir finden diese Unterscheidung bei Beseler (Zeitschrift p. 188),
Scholz Hl (loc, dt. §. 13), Roth (Bairisches Civilrecht m, p. 809),
Mühlenbruch (Pand. 43 p. 423), Gruchot (Erbrecht H, p. 223),
Marker (Nachlaßregulirung p. 63), Borne mann (Preuß. Civilrecht,
B. 6 p. 449); verworfen wird die Unterscheidung von Hinschius (An-
walt-Zeitung loo. eit. p. 787), Thümmel (Errichtung des letzten Wil-
lens p. 222 ff.), Mittermaier (Grundsätze des D. Pr. II, tz. 464
p. 1070), H eimbach (in Weiske's Rechtslexicou B. 10 p. 1043 ff.).
2) Cf. Beseler, Privatrecht I, p. 594.

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